Open House - Kunst und Öffentlichkeit


Pressemitteilung vom:
11. März 2004

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OPEN HOUSE
Kunst und Öffentlichkeit

Datum: 12.03.2004 - 30.04.2004

Eröffnung: 11.03.2004 - 20:00

KuratorInnen: Thomas Edlinger, Stella Rollig, Roland Schöny
KünstlerInnen: Olaf Arndt & Rob Moonen, Big Hope, Michael Blum, Candice Breitz, Harun Farocki, Andrea Geyer, Gregor Graf, LIGNA, Mark Lombardi, Marko Lulic, Oliver Ressler, Andrea van der Straeten, Silke Wagner

OPEN HOUSE fokussiert den Status von Kunst und Öffentlichkeit heute. Besonderes Augenmerk wird jenen rasanten Transformationen des urbanen Raumes gewidmet, welche die kritische Kunstpraxis der letzten Jahre nachhaltig beeinflusst haben.

Stadträume, die ehemals als öffentlich definiert waren und auch so genutzt wurden, haben sich allmählich in eine Cinecittà modernistischer und postmoderner Architektur verwandelt, deren Motor vom Interesse an Big Business und Spektakel angetrieben wird. Parallel zu immer wieder von neuem optimierten Leitsystemen aus Leuchtreklame und Hinweisschildern gewinnen Verbraucherstatistiken und Bewegungsdiagramme an Bedeutung, welche letztlich in neue Formen der Überwachungstechnologie und die Konzeption komplexer Sicherungsmaßnahmen übergehen.

Ausgehend von der Stadt Linz und deren großflächiger Umbausituation als Modellfall werden künstlerische Projekte präsentiert, die den Stadtraum als Bühne für globale Ökonomisierung und als Labor für alternative Wirtschaftsmodelle sowie als Ort im Spannungsfeld zwischen offziellem Geschichtsverständnis und subversiver Aneignung reflektieren.

Zur Ausstellung wurden KünstlerInnen und Kollektive eingeladen, die mit ihren jeweils eigenen Ausdrucksformen den Begriff der urbanen Öffentlichkeit, die Produktion visueller Images im Stadtraum oder die Möglichkeiten künstlerischer Interventionen zur Diskussion stellen und damit über das Feld der Kunst hinaus relevante Themen bearbeiten.
Das O.K wird zum Magnetfeld von Auseinandersetzungen und Kommunikationsformen, die an der Schnittstelle von Bildender Kunst und sozialer Praxis in das Aktionsfeld Stadt hinausweisen

Die Ausstellung erhält mit der Veranstaltung OPEN WEEKEND (26./27.März) eine zusätzliche Dynamik: einen Open Space, der Diskussionen, Vorträge und performative Projekte initiiert. Zentrales Thema ist die Frage nach den Möglichkeiten alternativer Lebens- und Arbeitsentwürfe in einer spätkapitalistischen Gesellschaft.

Die Ausstellungsgeografie von Open House ist vergleichbar mit einer Landkarte, die durch verschiedene Themenfelder führt. Die einzelnen Stationen sind miteinander verzahnt und stehen in einem inhaltlichen Zusammenhang. Dabei kam es zu folgenden Schwerpunktsetzungen:

Umbau der Stadt Linz

Veränderung der Lebenssituation und der Arbeitsbedingungen,

Markierungen und Zeichen in der Stadt

Hinweisschilder, Reklametafeln, Skulpturen, Mahnmaldiskussionen, Architekturkonzepte

Kommerzialisierung des ehemals öffentlichen Raumes

Errichtung von Einkaufszentren, Feinplanung von Supermärkten

Entstehung und Aufbau globaler Machtsysteme

Verflechtung von Politik und Wirtschaft

zunehmende Kontrolle des / der einzelnen

Manipulation durch Werbung, Überwachung, Eingriff in das menschliche Bewusstsein,

Frage nach Alternativen und Auswegen

spielerische Aufforderung, den öffentlichen Raum für sich selbst mehr zu nutzen,
Darstellung alternativen Formen für Wirtschaft und Lebensgestaltung

Die nachfolgenden Werkbeschreibungen führen vom Erdgeschoss aus über die sogenannte Schlucht bis in das 2. Obergeschoss in der entsprechenden Reihenfolge zu den einzelnen Stationen.


CANDICE BREITZ

FREE KUNST

2 Transparente, PVC Gitter, je 380 x 500 cm
Fassade

Das Transparent FREE KUNST, direkt an der Grenze von Kunstraum und öffentlichem Raum angebracht, bildet den weithin sichtbaren Auftakt zur Ausstellung. Zwei auffallende Banner in Signal-Rot und -Gelb markieren die Fassade des O.K: FREE KUNST. Mit ihnen wird ein Ort besetzt, an dem, hinter der graphitgrau-opaken Fassade, Kunst „zu Hause“ ist.
Die Botschaft richtet sich an die Allgemeinheit, an Menschen, für die es nicht unbedingt selbstverständlich ist, Kunsthallen und Museen zu besuchen. FREE KUNST ist einerseits als Aufforderung zum Handeln zu verstehen, andererseits als greller Versuch, Aufmerksamkeit zu erlangen und darüber hinaus als eine Betrachtung der Position zeitgenössischer Kunst in der Gesellschaft.
Obwohl Candice Breitz auf das Medium Werbeplakat anspielt, ist FREE KUNST nur bedingt mit künstlerischen Plakataktionen im öffentlichen Raum zu vergleichen. Es bezieht sich unmittelbar auf den Status des O.K und bekommt innerhalb des Ausstellungsprojekts Open House eine zusätzliche Bedeutung.

Candice Breitz
geb. 1972 in Johannesburg, Südafrika
lebt und arbeitet in Berlin


ANDREA VAN DER STRAETEN

Was ich gehört habe

5 Wandzeichnungen, Filzstift auf Dispersion, ca. 220 x 180 cm
EG Foyer, EG Raum 1, 1. OG Gang, 2. OG Saalfoyer

Andrea van der Straeten arbeitet seit Jahren zur Frage, welchen Stellenwert ephemere Kommunikationsformen wie Gespräche, Gerede, Gerüchte als Material in der Kunst einnehmen können.
Ihre Werkgruppe „Was ich gehört habe…" ist das Ergebnis einer Recherche im Stadtraum von Linz zu den gegenwärtigen Umbaumaßnahmen. Durch die Verwaltungsreform großer Dienstleistungsunternehmen, Bauvorhaben und Umzüge geht die Stadt in eine Phase der partiellen urbanen Neuformatierung. Allen Erwartungen nach haben diese Veränderungen Rückwirkungen auf das allgemeine Verständnis einer städtischen Öffentlichkeit. Allein die Übersiedlung von über 2000 MitarbeiterInnen aus Amtsräumen der Innenstadt in ein großes Zentrum am Bahnhof bedeutet auch die Rückführung solcher Arbeitsräume in andere Nutzungen. Der Verkauf staatlicher Betriebe wie der Austria Tabak oder der Voest an private Firmen hat Institutionen wie die Kunstuniversität zur Suche neuer Standorte gezwungen.
Diese großen Veränderungen lassen naturgemäß breiten Spielraum für Gerede und Gerüchte, die Andrea van der Straeten sammelte und in der Ausstellung dokumentiert.

(Zusätzliche Gerüchtesammler: Clemens Mock, Bettina Steinmaurer)

Andrea van der Straeten
geb. 1953 in Trier/D, lebt und arbeitet in Wien und Linz
Studium der Germanistik und Politikwissenschaften in Marburg, der Visuellen Kommunikation an der Hochschule für bildende Künste Hamburg sowie ein Postgraduate an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien.
seit 2002 Professur für Experimentelle Gestaltung an der Kunstuniversität Linz.


GREGOR GRAF

hidden town - verborgene Stadt

4 Fotoarbeiten, Digitaldrucke, 110 x 85cm, auf Alu kaschiert, mit UV-Folie laminiert
EG, Gang

Vier zusammengehörige fotografische Arbeiten mit Straßenansichten von Linz bilden die Werkgruppe “hidden town”. Allerdings bietet Gregor Graf dem Blick der BetrachterInnen Aufnahmen, die von sämtlichen sonst im öffentlichen Raum vorhandenen Zeichen bereinigt sind. Durch gezielt gesetzte Retuschen brachte Graf sämtliche Reklametafeln und Hinweisschilder zum Verschwinden und betont durch dieses Verfahren die architektonischen und strukturellen Kennzeichen der Stadt auf extreme Art. Die Straßenzüge wirken unwirklich, kulturell austauschbar und fremd. Sie verlangen eine neue Art der Wahrnehmung, jenseits gewohnter Erfahrungen und Muster, die längst auf das permanente Abtasten von Logos und verbalen Informationen im kommerzialisierten öffentlichen Raum konditioniert sind. Es erschließt sich ein Blick auf sonst verdeckte Architektur und „geklärte“ Raumsysteme.

Gregor Graf, geb. 1976
1997 – 2004 Studium an der Kunstuniversität Linz / Raum und Objekt


BIG HOPE

Commonopoly

Rauminstallation, Objekt 200 x 200 x 20 cm
EG Raum 1

„Commonopoly“ ist ein für den gesamten Raum dimensioniertes Brettspiel. Es ist einfach aufgebaut, sodass BesucherInnen relativ schnell Zugang finden können. Das Spiel bezieht sich aber auf den theoretischen Begriff der „Commons“, auf jene schwierig zu klassifizierenden Güter und Werte, die in einer Gemeinschaft außerhalb des kapitalistischen Warenkreislaufs zur Verfügung stehen. Unter anderem werden die SpielerInnen dazu animiert, die Möglichkeit freier Besuche von Parks und Museen bewusst zu nutzen oder unterschiedliche persönliche Gegenstände zu tauschen.
Die Ausgangsthese lautet: Über Wirtschaft nachzudenken und zu sprechen ist zur exklusiven Domäne von PolitikerInnen und ExpertInnen geworden, aus deren Diskurs Nicht-Fachleute ausgeschlossen werden. Die breite Allgemeinheit hat sich in ihre Konsumrolle zu fügen und ihre massiv stimulierte Kauflust möglichst ungebremst zu befriedigen.

Um diese Situation zu reflektieren, stellten Big Hope in der ungarischen Industriestadt Dunaujvaros, einem Ort wirtschaftlicher „Krise“, Fragen wie: „Welche Rolle spielt Ökonomie in Ihrem Leben?“, „Wie würden Sie eine gute Wirtschaftslage beschreiben? Wie eine schlechte?“, um die selben Ausgangsfragen auch Arbeitenden in den gleichen Berufen in Berlin zu stellen. Es zeigte sich, wie viel Energie und Ideen mobilisiert werden können, sobald die Option eigenverantwortlichen Urteilens und Handelns wahrgenommen wird.

Big Hope: Miklós Erhardt, Dominic Hislop, Elske Rosenfeld.
Gegründet 1998 in Budapest, als der schottische Künstler Dominic Hislop, damals in Budapest zu Gast, und der ungarische Künstler Miklós Erhardt ihr gemeinsames Interesse an der Auseinandersetzung mit sozialen Fragen und der Kommunikation mit einer breiteren Öffentlichkeit in der Kunst entdeckten. Elske Rosenfeld hat sich Big Hope für die jüngste Ausstellungsreihe angeschlossen.
Unter dem Titel "Talking about Economies" fanden Ausstellungen bis jetzt in ICA-Dunaujvaros, Ungarn, SparwasserHQ, Berlin sowie Hamburger Bahnhof, Berlin statt
www.bighope.hu


MICHAEL BLUM

Monument to the Birth of the 20th Century

Rauminstallation
EG Raum 2

Im Schuljahr 1903/04 besuchten Ludwig Wittgenstein und Adolf Hitler in Linz dieselbe Realschule.
Diese Begebenheit benutzt Michael Blum als Ausgangspunkt für sein Kunstprojekt. Er gibt seine Absicht bekannt, in Linz ein Mahnmal für dieses Ereignis zu errichten und fordert die Bevölkerung auf, Reaktionen, Vorschläge und Meinungen zu diesem Vorhaben abzugeben. Teils heftige Reaktionen verdeutlichen die unterschiedlichen Narrative zwischen offizieller Geschichtsschreibung, verdrängten Fakten und individueller Erinnerung. Fragen nach dem Verhältnis zwischen der Vergangenheit der Stadt und ihrer Verträglichkeit mit aktuellem City-Branding bzw. mit dem Selbstverständnis der BewohnerInnen werden aufgeworfen.
Michael Blum ist Künstler und kein Zeitgeschichtler. Sein Projekt verfolgt keine Recherche, um den HistorikerInnen-Meinungen eine weitere Expertise hinzuzufügen. Er stellt vielmehr zur Debatte, wer welche Inhalte mit welchen Mitteln im öffentlichen Raum als gedenkwürdig klassifizieren darf.

Michael Blum
geb. 1966 in Jerusalem, lebt und arbeitet in Wien und Paris
seine Arbeiten umfassen Video, Fotografie, Publikationen, Installationen
gezeigt u.a. bei Viper Video Festival (Basel), World Wide Video Festival (Amsterdam), Festival du nouveau cinéma et des nouveaux medias (Montréal), Biennal of the moving image (Geneva),
MIT List Visual Art Center, Boston, Frankfurter Kunstverein, Centre-Georges-Pompidou, Paris


MARKO LULIC

„Für Linz - die deutscheste Stadt Österreichs“

Büroturm Bayer (schwarz), Skulptur, 2004, Pappelholz, Spritzlack, 250x60x60cm;
Wolkenspange Bayer (braun), Skulptur, 2004, Pappelholz, Spritzlack, 250x250x60cm
Linz, überschaubare Verhältnisse, Video, 2 DVD Projektionen
EG, Raum 1

Als Ansatz für seine Arbeit wählt Marko Lulic die Geschichte der Stadt Linz und ihr Verhältnis von Architektur und Ideologie.
Er befragt die Zusammenhänge von Ideologie, Architektur, öffentlichem Raum und Gesellschaft, indem er bestehende (oder mittlerweile zerstörte) Denkmäler in veränderter, verfremdeter Form nachbaut. Für die Ausstellung im O.K konzipierte Marko Lulic zwei Objekte und eine Videoarbeit, die sowohl auf den öffentlichen Raum als auch auf die Möglichkeit und Unmöglichkeit von Monumenten allgemein Bezug nehmen.
Lulic nimmt Bezug auf zwei Skulpturen, des aus Haag am Hausruck stammenden Bauhaus-Künstlers, -Designers und Architekten Herbert Bayer, dem im Jahr 2000 eine große Ausstellung in der Oberösterreichischen Landesgalerie gewidmet war. Bayer wanderte 1938 in die USA aus und konzipierte zahlreiche architektonische Gestaltungen in Washington, Colorado oder Mexiko City.
Marko Lulic präsentiert zwei installative Objekte, deren Konzeption an die Form der Skulpturen von Bayer „Gegliederte Wand“ (1968/1985) und „Chromatisches Tor“ (1991) angelehnt ist.
Diese Objekte werden in Verbindung mit einem zweiteiligen Video gezeigt, das auf wichtige identitätsstiftende Momente in der Architekturgeschichte von Linz verweist. Lulic‘ Interesse gilt einerseits der Zeit des Wiederaufbaus und dem Funktionalismus der Moderne und andererseits der führenden Rolle, die Linz von Adolf Hitler im Nationalsozialismus zugedacht war. Auf diese Weise sollen zwei einender entgegengesetzte Modelle von Modernisierung konfrontiert werden, die historisch nicht zuletzt durch die Arbeit Herbert Bayers zur Zeit des Nationalsozialismus in Berlin miteinander verzahnt sind.

Marko Lulic
1972 in Wien geboren, in Lika, Kroatien und Wien aufgewachsen
lebt und arbeitet in Wien


SILKE WAGNER

Picknicktable

Skulptur, Holz, Plexiglas, Blaupause
1.OG, Schlucht

Ausgangspunkt der Arbeit ist das Buch „Skateboarding, Space and the City“ von Iain Borden. (Berg Verlag, Oxford und New York, 2001)
Es handelt sich dabei um die erste detaillierte Untersuchung des städtischen Phänomens des Skatens. Streetskaten wird als ausgeführte Kritik an Architektur, Stadt und Kapitalismus beschrieben. Für die Ausstellung werden Teile des Buches vom Englischen ins Deutsche übersetzt. Die Präsentation erfolgt auf einem „Picknicktable“, einer dem öffentlichen Raum entnommene Skulptur, wie sie vielfach von Skatern benutzt wird.

Silke Wagner
geb. 1968, lebt und arbeitet in Frankfurt


LIGNA /D

Radio Ballett

Audiovideoinstallation, 10 Radioempfänger, DVD Projektion
1. OG, Schlucht

Die freie Radiogruppe LIGNA entwirft immer wieder experimentelle Situationen, die auf die Überschreitung üblicher Anwendungsbereiche der Radiotechnik bzw. auf die Reaktualisierung ihr innewohnender, aber vergessener oder ausgeblendeter Möglichkeiten abzielen.

Ein Beispiel dafür liefert das "Radioballett". Diese das erste Mal in Hamburg 2002 initiierte "Übung in unnötigem Aufenthalt" von Hunderten am Bahnhof versammelten Menschen wird durch die Anweisungen aus dem Kopfhörer von mitgebrachten Radios choreographiert.
Die Regie aus dem Äther ermöglicht somit nicht nur die Synchronisierung von -teilweise am Bahnhof verbotenen - Gesten wie bettelndes Handaufhalten, sondern auch eine Aneignung des öffentlichen Raumes.
Das O.K rekonstruiert eine solche Aktion als Installation. Während auf einem Bildschirm eine Dokumentation der Geschehnisse am Leipziger Bahnhof zu sehen ist und der Raum in die entsprechende Geräuschkulisse getaucht wird, kann man über einen hausinternen Sender und bereitgestellte Radiogeräte mittels Kopfhörer die dazugehörige Radiosendung hören.

LIGNA
gegründet 1995,
besteht aus den Medientheoretikern und Radiokünstlern Ole Frahm, Michael Hüners und Torsten Michaelsen, die im Freien Sender Kombinat (FSK), einem nicht-kommerziellen, lokalen Radio in Hamburg arbeiten.


OLIVER RESSLER

Alternative Economics, Alternative Societies

8 Videos jeweils ca- 22 – 35 min, Bodenzeichnung, Klebefolien
2. OG, Raum 10

„Alternative Economics, Alternative Societies" stellt unterschiedliche Konzepte, Modelle und Utopien für alternative Ökonomien und Gesellschaften, deren Gemeinsamkeit die Zurückweisung des kapitalistischen Herrschaftssystems ist.
Dazu führte Oliver Ressler Interviews, aus denen im Rahmen des Projekts jeweils ein Video in englischer Sprache produziert wurde.
Aus jedem Video wurde ein für die jeweils formulierten Thesen signifikantes Zitat ausgewählt und als mehrere Meter lange Textarbeit direkt auf dem Boden und den Wänden des Ausstellungsraumes angebracht. Diese mit Klebefolien ausgeführten Bodenbeschriftungen führen die BesucherInnen direkt zu den entsprechenden Videos, überschneiden einander aber auch und unterteilen den Raum in unterschiedliche Segmente.
Das Ausstellungsprojekt soll in den kommenden Jahren kontinuierlich um die Darstellung weiterer ökonomischer und gesellschaftlicher Konzepte erweitert werden. Diese sollen einen unhierarchisch gegliederten Pool bilden und Vorschläge zu gesellschaftlichen Alternativen und Handlungsmöglichkeiten formulieren.

Oliver Ressler
geb. 1970 in Knittelfeld, lebt und arbeitet in Wien.
1989 - 1995 Hochschule für angewandte Kunst, Wien (A)
1998 Artists Residency, Banff Centre for the Arts, Banff (CAN)
Seit 1994 arbeitet er an Ausstellungen, Arbeiten im Außenraum und Videos zu Themen wie Rassismus, ökonomische Globalisierung, nachhaltiges Wirtschaften, Gentechnologie und Formen des Widerstands.
www.ressler.at


ANDREA GEYER

Parallax

Rauminstallation, 8 Diaprojektoren
2.OG, Raum 11

Die Inszenierung des Projektes „Parallax“ erinnert an die Atmosphäre eines Klassenzimmers: Sesselreihen vor einer Projektionswand bieten den BesucherInnen Platz, einem Diavortrag, bestehend aus acht aufeinander abgestimmten Einzelprojektionen, zu folgen.

Gezeigt werden in dieser von Texten begleiteten Bildfolge Fotografien und Zeitungsausschnitte sowie inszenierte Bilder, die eine junge Frau begleiten und das Verhältnis des Individuums zur Medieninformation, zum Staat und seiner Politik verdeutlichen.
Andrea Geyer inszeniert soziale Interaktionen oder Navigationen durch (Stadt-)Räume als Orte der Produktion von Kultur und Quellen unserer Erfahrungen. Das Projekt umkreist die Themen Stadt, Nation und Staatsbürgerschaft und deren Rolle bei der Schaffung von individuellen und staatlichen Handlungsräumen am Beispiel der Vereinigten Staaten.
Daraus ergeben sich Fragen nach der Definition des Öffentlichen bzw. des öffentlichen Raumes und dessen Kontrolle sowie nach den Möglichkeiten, diesen demokratisch zu nutzen.

Andrea Geyer
geboren 1971 in Freiburg/D, lebt und arbeitet in New York


MARK LOMBARDI

International Systems and Controls Houston

Bleistift auf Papier, 96 x 77,5 cm

Neil Bush, MDC, Walter & Good,
2. Version, Bleistift auf Papier, 141 x 72cm,

Banca Nazionale del Lavoro, Reagan, Bush, Thatcher and the Arming of Iraq
2. Version, Bleistift auf Papier , 153 x 77 cm
2.OG, Saalfoyer

Das Aufdecken und Darstellen politisch-ökonomischer Machtsysteme wurde zum Hauptthema des im Jahr 2000 in New York verstorbenen Künstlers Mark Lombardi.
Seine komplexen Organigramme, die mitunter bis zu 300 Namen von Konzernen, Firmenchefs und politischen Repräsentanten enthalten, basieren auf mehrjähriger Recherche. Obwohl er sich offiziell nicht der weltweiten Bewegung der Globalisierungsgegner anschloss, ging es Mark Lombardi stets darum, weltweit existierende Netzwerke von Waffenschmugglern und Geldwäschern und deren mafios organisierten Strukturen auf möglichst einfache Weise darzustellen.
Im Zuge seines Studiums der Kunstgeschichte an der Syracuse University begann er für eine Ausstellung über den Watergate Skandal in den 70er Jahren in Akten zu wühlen, um schließlich gezielt nach politischer Literatur zu suchen.
Aus dem so akkumulierten Wissen legte er ein umfangreiches System von Karteikarten an, das bald mehrere tausend Einzelbiografien und Detaildiagramme enthielt.
Ohne die Unterstützung von Computerprogrammen erarbeitete Lombardi auf der Basis dieses Grundlagenwissens eine neue Form von Historienbild. Mit Pfeilen und Verbindungslinien macht er höchst komplizierte Zusammenhänge als machtpolitische Verkettungen verstehbar.

Mark Lombardi, geb. 1951 in Syracuse, New York
verstorben 2000
derzeit tourt eine von Independent Curators International, NY zusammengestellte retrospektive Ausstellung durch mehrere Museen und Ausstellungsräume in den USA und Canada, z.B. Museum of Contemporary Art Cleveland, The Drawing Center, New York, Art Gallery of Ontario (Toronto)


HARUN FAROCKI /D

Die Schöpfer der Einkaufswelten

Video, 2001, col., 72 min.
2. OG, Raum 13

Einkaufen ist ein alltagskultureller Akt, selbstverständlich, unvermeidlich. Jedem ist diese Erfahrung geläufig und das Erscheinungsbild der Malls gegenwärtig.
Diese Selbstverständlichkeit ist das Ergebnis eines hochkomplexen Vorgangs. Die Gestaltung von Malls wird planerisch und wissenschaftlich geleitet: Es gibt Berater-Firmen, Relaunch- Analytiker, einen Zentralverband, Mall-Zeitschriften und einen jährlichen Kongress in Las Vegas mit 6000 Teilnehmern und Labors, in denen untersucht wird, wohin der Blick des Kunden fällt oder wie ein "spontaner" Kaufakt verursacht werden kann.
Farockis Film "Die Schöpfer der Einkaufswelten" sucht ein Bild dieser gigantischen Verführungsmaschinerie zu zeichnen.

Harun Farocki, 1944 geboren in Nový Jicin (Neutitschein), im damals von den Deutschen annektierten Teil der Tschechoslowakei.
1966-68 Studium an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB).
Nach Dozenturen in Berlin, Düsseldorf, Hamburg, Manila, München und Stuttgart,
1993-1999 visiting professor an der University of California, Berkeley.
90 Filme, darunter drei Spielfilme, Essayfilme und Dokumentationen.
Harun Farocki Filmproduktion, www.farocki-film.de


OLAF ARNDT & ROB MOONEN

Camera Silens

Begehbares Objekt 600 x 600 x 540 cm, Stahl, Holz
Akkustisches Dämmaterial, Überwachungskamera, Monitor, Glühbirnen
2. OG, Großer Saal

Macht- und Kontrollverlust des Menschen durch Maschinen und der Einsatz von Technologien zur Gewährleistung einer so genannten „Inneren Sicherheit“ sind Themen der Arbeit von Olaf Arndt und Rob Moonen. In diesem Zusammenhang geht es ihnen auch um die Auseinandersetzung mit dem Schulterschluss von Forschung, Industrie und Staat im gemeinsamen Auftrag für Zivilisierung und Humanisierung.
Die Installation „Camera Silens“ ist 1994 entstanden und bezieht sich auf ein Forschungsprojekt am Universitätsklinikum in Hamburg Eppendorf, das im Jahr 1973 wegen heftiger öffentlicher Diskussionen eingestellt werden musste.
Der tschechische Psychiater Jan Gross und sein Mitarbeiter Peter Kempe hatten drei Jahre zuvor eine „Camera Silens“ (CS) in einem Raum des Fakultätsgebäudes eingerichtet, um dort unter den Bedingungen der totalen Entkoppelung vom natürlichen Umfeld Untersuchungen an gesunden Probanden und an Patienten des Psychiatrischen Krankenhauses über die Wirkung der „sozialen Isolation und sensorischen Deprivation“(SI/SD) durchzuführen.

Diese „Camera Silens“, die sich im wesentlichen als innen reflexionsarmer, und annähernd schalltoter Raum beschreiben lässt, wurde von den Künstlern Olaf Arndt und Rob Moonen nachgebaut, um auf Experimente zur völligen Kontrolle des menschlichen Bewusstseins zu verweisen.

Durch die Beziehung zum Thema der sensorischen Deprivation lassen sich sowohl Bezüge zur Isolationshaft der RAF-Gefangenen in den 70er und 80er Jahren, wie auch zu verschiedenen Methoden der Gehirnwäsche herstellen. Es wird auf die Möglichkeit verwiesen, das menschliche Gehirn im übertragenen Sinn als Festplatte zu verstehen, die gelöscht und wieder neu beschrieben werden kann.

Unterstützt von Mondriaan Stichting, NL

Olaf Arndt
geb. 1961 in Hannover (D), lebt und arbeitet in Berlin (D)
arbeitete zunächst im Bereich Performance, entwickelt Inszenierungen, die das Themenfeld Mensch - Maschine - Gesellschaft in brisanten, manchmal aggressiven Konstellationen zur Schau stellten. 1989 gründete er die Maschinenperformancegruppe BBM (Beobachter der Bediener von Maschinen). http://bbm-ww.de/

Rob Moonen
geb. 1958 in Schaesberg, Niederlande, lebt und arbeitet in Tilburg [NL]
Rob Moonen entwickelt kontextbezogene Installationen mit unterschiedlichen Medien. Seine Werke werden als kritischer Kommentar zu einer aktuellen Situation entworfen.
http://www.robmoonen.nl/


Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Folioverlag. 176 Seiten, Euro 25,—
Präsentation: 3. 5. 2004

Der INFOLADEN Wels betreibt am Tag der Eröffnung, am OPEN WEEKEND und zur Katalogpräsentation einen auf die Ausstellungsthemen spezialisierten Book Shop im O.K

Das Projekt ist Teil von republicart, gefördert im Rahmen des Programms
Kultur 2000 der Europäischen Union
www.republicart.net

OPEN WEEKEND

Gelebte Bedingungen

Theorie, Diskussion, Video und Musik im Rahmen von „Open House“

26. und 27. März 2004

Antke Engel (Philosophin, Hamburg), Eva Illouz (Soziologin Jerusalem), Guillaume Paoli (Glückliche Arbeitslose, Berlin), Gerald Raunig (Philosoph, Wien), Karl Reitter (Zeitschrift Grundrisse, Wien), Terre Thaemlitz (Künstler, USA/JP), Beat Weber (Zeitschrift Malmoe, Wien)
b_books, Berlin: Claudia Basrawi, Alessio Bonacorssi, Florian Braun, Katja Diefenbach, Stephan Geene, Aljoscha Weskott, Tamer Yigit

Die in OPEN HOUSE thematisierten Übergangsbereiche zwischen Kunst im öffentlichen Interesse, sozialem Aktivismus und politischer Reflexion werden an diesem Wochenende im Hinblick auf ihre Relevanz auf aktuelle Subjektivierungsformen befragt. Im Zentrum stehen die nach Kluge/Negt erfahrungsintensivsten Lebenssphären: die Intimität und die Arbeitswelt. Beide Bereiche gelten gemeinhin als privat und damit von der Notwendigkeit einer öffentlichen Debatte entbunden. Gleichzeitig aber offenbart sich gerade im Zugriff auf das Individuum und seinen Körper die vielfältigen Erscheinungsformen der „Biomacht“, die sich als Verzahnung von äußeren und inneren Disziplinierungstechniken, von externen, verwaltungstechnischen Regulationsverfahren und eingeübten „Technologien des Selbst“ darstellen lässt. Erst in diesem Zusammenspiel von gesellschaftlichem Zwang und internalisierter Kontrolle nehmen jene subjketformierenden Bedingungen Gestalt an, deren Analyse und Kritik im Rahmen von OPEN WEEKEND zur Diskussion stehen.

Ablauf:
Freitag Abend ab 18.00 Uhr stehen die Transformationsprozesse des Arbeitsbegriffs im Mittelpunkt, während Samstag, den 27.3., ab 17.00 Uhr die „privaten" Liebes- und Sexualitätspraktiken auf ihre unhintergehbare Verschränkung mit Politik, Ökonomie und Kultur wie auch auf etwaige emanzipatorische Modelle untersucht werden sollen.

Verpflegung: KANTINESTRAUSS


Pressefotos

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Fotos (außer anders angegeben): Otto Saxinger