Nedko Solakov - A 12 1/3 (And Even More) Year Survey


Pressemitteilung vom:
12. Dezember 2004

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NEDKO SOLAKOV
A 12 1/3 (and even more) Year Survey

Presseinformation vom: 02.12.2004

Datum: 03.12.2004 - 20.02.2005

Kuratoren: Charles Esche, Enrico Lunghi, Martin Sturm

O.K Centrum für Gegenwartskunst, Casino Luxembourg und Rooseum Malmö zeigen gemeinsam die erste große Retrospektive des bulgarischen Künstlers Nedko Solakov.

Seit Ende der 1980er Jahre setzt Nedko Solakov das Geschichtenerzählen als künstlerisches Ausdrucksmittel ein. Die Geschichten entspringen der regen Fantasie des Künstlers und nehmen in einem einzigartigen künstlerischen Universum aus Zeichnungen, Malereien, Installationen, Videos und Performances Form an. Er verarbeitet Persönliches ebenso wie universelle Themen und verfolgt dabei einen höchst poetischen und doch kritischen Ansatz gepaart mit feinen Sinn für Humor.

Als ein künstlerischer Rundgang konzipiert, führt die Ausstellung den Besucher von einer Arbeit zur nächsten und zeigt zum ersten Mal Nedko Solakovs Hauptwerke – darunter New Noah’s Ark (1992), The Truth (The Earth is Plane, the World is Flat) (1992-1995), This is me too… (1996), Romantic Landscapes with Missing Parts (2002), A Wallpaper (2004) – in einer gemeinsamen Schau.

Die Ausstellung ist den örtlichen Gegebenheiten der drei Partnerinstitutionen angepasst, was der Präsentation jedes mal einen anderen Charakter verleiht und darüber hinaus zeigt, wie Nedko Solakov mit verschiedenen Kontexten umgeht und seine Geschichten auf ebenso viele Weisen erzählt.

Seit Anfang der 1990er Jahre stellt Nedko Solakov (geboren 1957 in Tcherven Briag, Bulgarien; lebt in Sofia) an zahlreichen Orten in Europa und den USA aus. Seine Arbeiten waren bei der Aperto ‘93 (Biennale von Venedig) ebenso vertreten wie bei der 48., 49. und 50. Biennale von Venedig, bei der 3. und 4. Biennale von Istanbul, bei São Paulo ‘94, bei der Manifesta 1 in Rotterdam, bei der 2. und 4. Biennale von Gwangju, der 5. Biennale von Lyon, bei Sonsbeek 9 in Arnhem und der ersten Lodz Biennale. Einzelausstellungen im Museu do Chiado, Lissabon, in der Stichting De Appel, Amsterdam, im CCA Kitakyushu, Japan, im Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía, Madrid, im Israel Museum, Jerusalem und im Centre d‘Art Santa Mònica in Barcelona wurden Nedko Solakov in jüngster Zeit gewidmet.

Zur Ausstellung A 12 1/3 (and even more) Year Survey [12 1/3 (und mehr Jahre) im Überblick], veröffentlichten die drei Institutionen gemeinsam einen Katalog (220 Seiten, mit Farbillustrationen, Englisch/Deutsch), mit speziell dafür verfassten Texten von Saul Anton, Iara Boubnova, Carolyn Christov-Bakargiev, Jordan Kantor, Daniel Kurjakovic und Nedko Solakov.

Eingangsfoyer

On the Wing [Auf dem Flügel], 2001

14 Texte (von den Fenstersitzen aus zu sehen) auf den Tragflächen von sechs Boeing 737 der LUXAIR; Vinylbuchstaben
Courtesy der Künstler, Casino Luxemburg und LUXAIR, Luxemburg
Das Projekt entstand im Rahmen der Ausstellung Faiseurs d’histoires, Casino Luxemburg - Forum d’art contemporain, Luxemburg,1999

In der Ausstellung zu sehen: On the Wing Lambda-Printausgabe, Auflage von 6 und 2 Künstlerabzüge; 12 Tafeln
Courtesy Galerie Georges-Philippe & Nathalie Vallois, Paris
„Lieber Passagier, irgendwo da unten, hinter dem zweiten Berg, am linken Ufer eines Baches, gibt es einen kleinen Hügel. In diesem kleinen Hügel ist ein kleines Loch, und in diesem kleinen Loch wohnt eine kleine Maulwurfsdame. Ganz ehrlich, sie wäre jetzt gerne an Ihrer Stelle — fast 10.000 Meter über der Erde….“

Some of My Capabilities [Einige meiner Fähigkeiten], 1995

Videofilm auf DVD, 1’38’’, geloopt; Digitale Bearbeitung: Kalin Serapionov, 2002
Auflage von 5 und 1 Künstlerexemplar
Courtesy der Künstler

In diesem kurzen Video zeigt Solakov einige seiner körperlichen „Fähigkeiten“, die auch so banal sein können, wie ein biegsamer Daumen, etc.

Schlucht - Vitrinen

Announcement [Mitteilung], 1999

Mitteilung auf 15.000 Postkarten und 200 T-Shirts aufgedruckt
Offizielle Beteiligung Bulgariens an der 48. Venedig-Biennale Venedig,1999
Courtesy der Künstler

“Eine sehr wichtige Mitteilung. Nach fast 30 Jahren Abwesenheit vom offiziellen Programm der Venedig-Biennale, ist die Republik Bulgarien stolz ankündigen zu können, dass sie in der Lage ist, sich an der nächsten Venedig-Biennale 2001 sachgemäß zu beteiligen.”
Neben der Ankündigung der Wiederaufnahme der Teilnahme Bulgariens an der wichtigsten internationalen Kunstbiennale in Venedig auf T-Shirts und Postkarten, dokumentiert Nedko Solakov das zähe bürokratische Ringen um die Annahme seines (vom bulgarischen Kulturministerium offiziell nominierten nationalen) Beitrags durch die Leitung. Diese Arbeit wurde letztendlich zu einem offiziellen Beitrag im nationalen Bewerb der Biennale, allerdings ohne einen der üblichen Pavillions zu haben.

Fear [Angst], 2002-2003

Terrakotta; Alitalia, Austrian Airlines und Lufthansa Bordkarten; Kugelschreiber; zehn Skulpturenpaare, einige davon zerbrochen;
Courtesy der Künstler

Diese Kleinplastiken, gemeinsam mit Boarding Pässen ausgestellt, entstanden als Nedko Solakovs Beitrag zu der Keramik-Biennale in Albisola (Italien). Die gebrannten Terra Cotta Objekte entstanden durch sein nervöses Kneten während des Fliegens und sind Ausdruck seiner Flugangst.

Reference Box [Referenzschachtel], 2001

Etwa 240 Ausschnitte aus verschiedenen Pornomagazinen; Pappschachtel mit einer Reproduktion von Cabanels Die Geburt der Venus auf der Oberseite; weißer Filzstift, handgeschriebener Text auf schwarzer Plastiktüte;
Courtesy Galerie Georges-Philippe & Nathalie Valois, Paris, und der Künstler

„Wann immer ich länger als eine Woche im Ausland bin um Kunstwerke in Ausstellungen zu installieren, finde ich mich dabei, Porno-Magazine zu kaufen. Normalerweise, am Ende dieser Reisen nehme ich sie entweder mit nach Hause (selten) oder werfe sie in Mistkübel in der Nähe des Hotels (nie aber in den Hotelzimmer- Mistkorb) , oder ich schneide die signifikantesten Teile aus und nehme sie in meinem Koffer mit nach Hause. Für lange Zeit blieben diese Ausschnitte in verschiedenen Umschlägen da und dort zu Hause verborgen. Letztendlich fand ich eine passende Schachtel wo sie für zukünftige Referenzen aufbewahrt werden können.“

Help Yourself (Russian Roulette) [Bedienen Sie sich (Russisches Roulette)], 1998

Zucker, Farbmittel, Mehl, Schokolade, Faltpapier; 7 Stück (in einem befinden sich die abgeschnittenen Fingernägel des Künstlers),
Courtesy der Künstler

School Aids [Pädagogisches Lehrmaterial], 1987

Grafit, Zeichentusche, Acrylfarbe auf originalem pädagogischen Lehrmaterial;
38 Seiten handgebunden in Plastikumschlag;
Courtesy der Künstler

Aus Untitled (The Bathtub), 1986-1988

Acrylfarbe, Teil eines Kinderspielzeugs, Glas- und Keramikfarbe auf Fundobjekten
#6 ( Rotes Auge), 1986
#7 (Weiß, rot und blau), 1986
#2 ( Vampir), 1986
#1 ( Jagd), 1986
#5 (Brunnen), 1986
Courtesy der Künstler

Domestic Limits [Häusliche Einschränkungen], 1998

Objekt A, hergestellt aus Baumwollgarn, transparenter Plastikfolie, Kaugummi, Amethysten, bulgarischen Tageszeitungen, Stoff, gebackenem Teig, einer Peel-off-Maske, übereinandergeschichtete Aluminiumfolie von Slava Nakovska, der Ehefrau des Künstlers,

Objekt B, hergestellt aus den gleichen, obengenannten Materialen und auf die gleiche Weise, aber in umgekehrter Reihenfolge;
Videofilm auf DVD, Farbe, ohne Ton, 15’29’’, geloopt; Kamera: Angel Tzvetanov; Digitale Bearbeitung: Kalin Serapionov, 2002; Einzige Kopie
Courtesy der Künstler

Schlucht

The Yellow Blob (Thing) Story [Die Geschichte des gelben Klecks], 1997

Gelbe Farbe (Plastikplane), handgeschriebener Text auf Wand;
Aus dem The Absent-Minded Man Projekt, 1997
Auflage von 5 und 2 Künstlerabzüge
# 1 in der Sammlung Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig, Wien
Courtesy der Künstler

Diese Arbeit wurde seit der ersten Umsetzung des Konzepts 1997 mehrfach gezeigt und hatte in den verschiedenen Kunsteinrichtungen jeweils eine andere Erscheinung.
Neben dem bisher immer gemalten Fleck schrieb der „abwesenden Mann“ im O.K: „Ich bestellte dieses gelbe Ding (ursprünglich diesen gelben Fleck) von den Ausstellungs-Assistenten, vergaß aber später völlig den Grund dafür“. Reagierend auf die räumlichen Gegebenheiten im O.K, der „Schlucht“, beauftragte Solakov erstmals eine riesige, 180 m2 große LKW Plane.

Gang 1 OG

Top Secret [Streng geheim], 1989-1990

Acrylfarbe, Zeichentusche, Öl, Fotografien, Grafit, Bronze, Aluminium, Holz;
ein schändliches Geheimnis; 179 Karteikarten im Originalkarteikasten;
Courtesy der Künstler

„Top Secret, entstanden zwischen Dezember 1989 und Februar 1990, besteht aus einem Aktenfach mit Karteikarten, die die frühere Zusammenarbeit des jungen Künstlers mit der bulgarischen Geheimpolizei thematisieren. Zum ersten Mal ausgestellt im Frühjahr 1990, auf dem Höhepunkt der politischen Wende nach jahrelanger kommunistischer Herrschaft, sorgte das Werk für heftige und kontroverse Diskussionen. Anschließend schrieb Solakov den folgenden Text für eine Wochenzeitung — sowohl als öffentliche Deutung seines Kunstwerks, als auch in der Absicht, den nach der Ausstellung bereits kursierenden Gerüchten über seine Kontakte mit dem staatlichen Sicherheitsapparat entgegenzutreten. Der Schritt der Selbstentblößung in diesem Kunstprojekt (erwähnt im Resümee des Künstlers als Top Secret – Action with Colleagues) ist immer noch einmalig im Kontext des europäischen Postkommunismus, und Top Secret ist mittlerweile zu einem Symbol seiner Zeit geworden.“

From My Home [Aus meiner Heimat], 2002

Filzstift auf Lambda-Prints auf Aluminiumträgern; # 1 und #4 aus einer Serie von 4, Originalfotos: Angel Tzvetanov
# 4 private Sammlung
Courtesy Galerie Georges-Philippe & Nathalie Vallois, Paris und der Künstler

Brook [Bach], 1985

Öl auf Leinwand,
Courtesy der Künstler

Cosiness [Gemütlichkeit], 1983

Öl auf Leinwand,
Courtesy der Künstler

Memory from the Federal Republic [Andenken an die Bundesrepublik], 1989

Grafit, Tusche, Ölfarbe, Acrylfarbe, Metall, Zugfahrkarten, Postkarten, Draht, Ösen auf Holz;
Sammlung Bürger, Schweiz

KOM / Infolounge 1. OG

Das KOM - der Kommunikationsraum des O.K - wird für die Dauer der Ausstellung als Grafikkabinett adaptiert. Neben der üblichen Benutzung Aufenthaltsort, um in Zeitungen und Bücher zu schmökern, können hier neben den Serien von Zeichnungen auch über die interaktive CD-Rom The Right One weitere Arbeiten des Künstlers studiert werden.
Die hier gezeigten grafischen Arbeiten stehen stellvertretend für das zeichnerische Oevre von Solakov, das oft in Serien angelegt ist. In Once Upon a Time und Well Known Stories greift er auf bekannte Motive in Geschichten (wie biblische Geschichten) zurück und fügt ihnen ironisch und humorvoll neue Aspekte hinzu.

Encyclopaedia Utopia, 1990

Verschiedene Medien auf Papier und anderen Unterlagen;
224 Seiten in drei Bänden handgebunden in Leder,
Courtesy der Künstler

Well-Known Stories [Gutbekannte Geschichten], 1992-1995

Sepia, schwarze und weiße Tusche auf Papier, laviert; Serie von 23 Zeichnungen,
Courtesy der Künstler

Once Upon a Time [Es war einmal], 1995-1996

Sepia, schwarze und weiße Tusche auf Papier; laviert; Serie von 50 Zeichnungen,
Courtesy der Künstler

Good & Bad [Gut & Böse], 2003

Sepia, weiße Tusche auf Papier, laviert; Serie von 9 Zeichnungen,

The Right One [Der Richtige], 1998 -2000

Interaktive CD-ROM basierend auf The Collector of Art (Somewhere in Africa there is a great black man collecting art from Europe and America, buying his Picasso for 23 coconuts and his early Rauschenberg for 7 antelope bones…), 1992-1994;
Mr. Curator, please…., 1995; und The Thief of Art (Yeti, The Big Foot), 1994-1996

Modell: Nedko Solakov und Iakov Chernikhov International Foundation, Sofia
Multimediabearbeitung: Lyuben Boyadjiev
Redaktionelle Bearbeitung: Iliyana Nedkova und Catherine Williams
Programmierungsberatung: Yavor Kozarev
limitierte Auflage herausgegeben von Audio-Visual Research Editions, Liverpool
Vertrieb: Cornerhouse Manchester (ISBN 0 9523161 0 3)
Courtesy der Künstler

Saalfoyer 2 OG

The Truth (The Earth is Plane, the World is Flat)
[Die Wahrheit (Die Erde ist eine Scheibe, die Welt ist flach)], 1992-1995

Gemälde, Zeichnungen, Collagen, Fotografien, Landkarten, alte Globen, Plüschtiere;
Videofilm auf DVD, 9’52”, geloopt; Monitor, CD-Player, Lautsprecher, T-Shirt, bulgarische Zeitungen, handgeschriebene Texte;
Sammlung Musée d’Art Moderne Grand-Duc Jean, Luxemburg

Mit Fotografien, Zeitungsausschnitten, Realobjekten, Objekten, Zeichnungen, etc. belegt Solakov den Standpunkt von sieben Personen, die der Überzeugung sind, dass die Erde flach ist. Mit dem folgenden Text wendet er sich einführend an die BetrachterInnen:
„Was haben der 72-jährige Novelpreisträger für Physik Dr. Haraldar Gusstalsan, der obskure bulgarische Künstler Sundy Levakov, der Seemann Rodald Berikow, der Astronaut Vitali R., der begabte Politiker Philip Mason, ein Penner namens Goro und ein siebenjähriges Mädchen gemeinsam?
Das weißt Du nicht, oder?
Nun, alle sieben (und viele andere Menschen ebenfalls) haben in jüngster Zeit die plötzliche Offenbarung erlebt, dass die Erde eigentlich eine Scheibe ist. Seit diesem Augenblick haben sie begonnen ihr Leben in unglaublicher spiritueller Harmonie zu leben — alle ihre Qualen, die endlosen Fragen, die ihre Existenz überschatteten, sind weg…
Das Seltsame daran ist, dass diese Geschichte auf die eine oder andere Weise mit Bulgarien zu tun hat.
Ja, die Welt ist eine Scheibe.
Glaube es!“

The New Ones [Die Neuen], 1996

5 Porträts, Öl auf Leinwand, je 97 x 130 cm; 18 Skizzen, Tusche, Grafit auf Papier,
handgeschriebene Texte, Wände gestrichen in „Englisch rot“
Courtesy der Künstler

In dem in Englisch-Rot ausgemalten Raum präsentiert Solakov die Gewinner des politischen Umbruchs in Bulgarien – die neuen Reichen – in klassischen repräsentativen Abbildern und begleitet diese Bilderserie neben zeichnerischen Studien mit einem Text zur Entstehungsgeschichte und zur Motivation auf beiden Seiten ein Gemälde im klassischen Genre der „Porträtmalerei“ machen zu lassen / zu machen. Mit eigenen Worten meint Solakov, sollte es etwas zu lachen geben, dann nicht über diese Personen, sondern über sich selbst.

Vor einigen Monaten kam mir die Idee für das Projekt „The New Ones“: Es ging darum, einige der neuen Reichen Bulgariens um die Erlaubnis zu bitten, ein (offiziell anmutendes) Porträt von ihnen anfertigen zu dürfen.
Ich wollte sie so zeigen wie sie sind: Menschen deren Tätigkeiten kennzeichnend sind für die Entwicklung meines Landes, Menschen die, auf gewisse Weise, als die neuen Herrscher gelten.
Jede einzelne der gefragten Personen — Herr Atanass Mudov (ein Unternehmer, der sich besonders einsetzt für die zeitgenössischen Kunstinstitutionen in Bulgarien); Herr Javor Tzakov (der Intendant des neuen, prominentesten Privatfernsehsenders); Herr Plamen Hrankov (der Besitzer des renommierten 5-Sterne Hotels Hrankov Castle); Herr und Frau Belopitov (die Vertreter von UPS in Bulgarien), und Herr Valentin Atanassov (ein Öl- und Werbeunternehmer) — zeigte sich bereitwillig damit einverstanden, ihr Porträt von mir machen zu lassen, die Art von Portät das eigentlich üblicherweise in Auftrag gegeben wird damit die zukünftigen Generationen sich ein Bild von ihren Vorgängern machen können.
Meine Hauptanliegen waren:
- ihren Wunsch zu zeigen durch die Malerei verewigt zu werden;
- und, was viel wichtiger ist, meinen eigenen Wunsch, den des Künstlers, kund zu tun und diese Personen in ihrem Streben nach Verewigung zu unterstützen….

… and they lived happily ever after [… und sie lebten glücklich bis an ihr Ende], 1999

Sepia, schwarze und weiße Tusche auf Papier; laviert; Serie von 40 Zeichnungen,
Courtesy Galerie Erna Hécey, Luxemburg und der Künstler

New Noah’s Ark [Die neue Arche Noah], 1991-1992
Noah’s Breakfast [Noahs Früstück], verschiedene Medien auf Leinwand;
The Stone [Der Stein]. Serpentin, gemeißelt von Ivan Rousev, die englische Fassung 1992 in
Istanbul gestohlen;
The Book [Das Buch], verschiedene Medien auf Papier, 104 Seiten handgebunden in Ledereinband;
12 Zeichnungen, Aquarell und Grafit auf Papier,
The Creatures [Die Kreaturen], Thermoplastik, Metall, 96 Elemente;
The Strange Noise [Das eigenartige Geräusch], CD, 30’, geloopt, einzige Kopie;
Courtesy der Künstler

Die Zeitangabe des Titels der Ausstellung – A 12 1/3 (and even more) Year Survey. bezieht sich auf diese zwischen 1991-1992 entstandene Installation, von der ausgehend Solakov seine Vermessung bzw. Überblick seines Werks in der Retrospektive (unter Anführungsstrichen unternimmt). Die einzelnen Elemente dieser räumlichen Erzählung erschließen sich erst durch den begleitenden Text zur „Neuen Arche Noah“ in dem Solakov von einem normalen Mann erzählt, der aufgefordert wird plötzlich aufgetauchte Wesen in ein nicht spezifiziertes Anderswo zu retten:
„Von irgendwo „Anderswo“ her wird an einen ganz gewöhnlichen Mann (Noah) die Anweisung ausgegeben, die seltsamen Kreaturen zu retten, die eines Morgens im Badezimmer seiner Wohnung in einem Plattenbau „gelandet“ waren. Diese Kreaturen kamen aus einer anderen (bereits untergegangenen) Welt. Sie waren auf der Durchreise durch sein Badezimmer (das die Grenze zwischen seiner und ihrer Welt bildete) und sie mussten von ihm in eben dieses „Anderswo“ gebracht werden. Nichts aus Noahs Welt sollte in den Container (die Arche) hinein — nur diese Wesen.
Und Noahs Welt war zum Untergang verdammt worden (das hatten ihm die aus „Anderswo“ gesagt). Es war der Vorabend des letzten Tages der Erde…
Ein „klassisches“ Gemälde (Noahs Frühstück), ein kleiner Stein mit der Inschrift „Du“ (den Noah am selben Morgen unter seinem Kopfkissen gefunden hatte), 12 Zeichnungen der Arche, ein Buch, das alles im Detail beschreibt, seltsames Wasserrauschen und viele, viele bunte Plastikgeschöpfe, die ihrer Rettung (aber nicht der unseren) entgegenkrabbeln.“

Good News, Bad News [Gute Neuigkeiten, Schlechte Neuigkeiten], 1998

Kinderspielzeug, örtliche Sexwerbung, Glas, Wasser, Würfel, künstliche Blume, Filzstift, handgeschriebene Texte auf Papier und Stein;
Courtesy der Künstler

In der speziell für diesen Raum adaptierten Installation setzt Solakov kurze alltägliche oder phantastische Geschichten ironisch um. Kleine Objekte, begleitet von guten und schlechten Nachrichten, die entweder auf den Boden oder unmittelbar auf die Objekte geschrieben sind, tauchen im dunklen Raum auf.

Großer Saal 2 OG

Im großen Saal des O.K kombiniert Solakov fünf Arbeiten, wovon einige speziell für diesen Raum entstanden sind. Mit den charakteristischen kleinen Geschichten und Figuren überzieht er eine Wandtapete, die vom Boden bis zur Decke an den Stirnseiten des Raums reicht. Die Texte auf den Spiegeln treten direkt mit den BetrachterInnen in Dialog und die aufgepinnten Reissnägel folgen einzig dem Prinzip nur in Ritzen angebracht zu werden. Als Reaktion auf den Raum selbst entstand die neue Arbeit Hate.

Wallpaper [Wandtapete], 2004

Verschiedene Medien auf lokaler, industriell hergestellter Wandtapete;
Courtesy der Künstler

Floor [Boden], 1996

Diverse, in Holzboden gesteckte Reißnägel; Aus einer Serie von 3 und einem Künstlerexemplar
Courtesy der Künstler

Mirrors [Spiegel], 2001-2003

Vergoldetes Holz, Spiegel, farbfeste Tusche, handgeschriebener Text;
# 1, # 3, # 4, # 5 aus einer Serie von 7 Spiegeln
Courtesy Galerie Georges-Philippe & Nathalie Vallois, Paris und der Künstler

Hate, 2004

Die Reste der Arbeit eines anderen Künstlers (unsauber entfernt nach einer vorangegangenen Ausstellung); fast sichtbare Frustration des Künstlers der als nächster in diesen Raum kommt;
Courtesy der Künstler

Forecast , 1993-2004

Thermometer, Filzstift, handgeschriebener Text
Courtesy der Künstler

Saal Regieraum 3 OG

Sexual Harassment [Sexuelle Belästigung], 1997

5 Videofilme auf DVD, geloopt; handgeschriebene Texte; Regal mit Performer-CVs;
Kamera: Angel Tzetanov; Digitale Bearbeitung: Kalin Serapionov, 2002
Auflage von 3 und einem Künstlerexemplar
Courtesy der Künstler

„Vor einiger Zeit bat ich fünf der besten bulgarischen KunstkuratorInnen und -kritikerInnen, eine Weile ganz ruhig zu werden und sich dann jemanden (oder etwas) vorzustellen, der (das) mit dem historischen Weimar in Verbindung zu bringen ist. Und sobald sie das Bild einmal vor dem inneren Auge hatten, sollten sie versuchen, es zu verführen…“

EG

Romantic Landscapes with Missing Parts
[Romantische Landschaften mit fehlenden Teilen], 2002

12 Gemälde, Öl auf Leinwand; handgeschriebene Texte an der Wand;
Courtesy der Künstler

Diese Serie von Ölgemälden entstand während eines Aufenthaltes Nedko Solakovs in Schweden 2002 und wurde anschließend in einer Wanderausstellung zwischen 2002 und 2003 in Berlin, Ulm und Madrid gezeigt. Anmerkungen über, unter und neben den Gemälden lenken die Aufmerksamkeit von den Bildern weg. Die Bilder sind in einem sehr zähen Prozess entstanden, den Solakov selbst im Text zum Katalog beschreibt:
„Warum tu ich das nur?!“ — Ich hatte mich das immer und immer wieder gefragt, bis ich eines Tages erkannte, dass vielleicht der Grund dafür diese winzige Hoffnung war, dass alle Teile, die aus diesen romantischen Landschaften fehlten –
der Mond selbst; die Spiegelung des Bergs auf der glatten Oberfläche des Sees; das Licht im Allgemeinen; das Boot des Seemanns; all die profunden Gedanken im Kopf des Philosophen; der Schwarm aufgescheuchter Vögel; die Spuren des erschöpften Pilgers im tiefen Schnee; Europa; das Schloss oben auf dem Berg; der violette Streifen im Regenbogen; die Tasche des Wanderers (nicht das offenkundig unvollendete Gemälde); die Konzentration des Künstlers (ein substanzieller Teil des Horizonts fällt unvermittelt nach unten ab)…
- ein besseres und interessanteres Leben haben würden, wenn sie außerhalb der Bilder blieben.“

This is me, too…. [Das bin ich auch….], 1996

(Zu viele) verschiedene Medien;
alle Kostüme von Slava Nakovska entworfen und angefertigt;
Videofilme:
Kamera: Angel Tzvetanov; Redaktionelle Barbeitung: Stefan Dimitrov; Digitale Bearbeitung: Kalin Serapionov, 2002
Die drei Videofilme auf DVD, der Haupttext sowie einige der Fotografien gibt es in 5 Auflagen und einem Künstlerexemplar
In Zusammenarbeit mit dem Biologiezentrum Linz
Courtesy der Künstler und De Vleeshal, Middelburg

In dieser komplexen Rauminstallation hinterfragt Nedko Solakov für sich mögliche andere „Erscheinungsformen“ aus der unbelebten Natur (um eben nicht jemand anders sondern etwas anders zu sein), und inszeniert sich in diesen Formen in unterschiedlichen Medien von der Zeichnung über reale Objekte wie ausgestopfte Tiere bis zur Überwachungskamera. An die Vorstellungskraft der BesucherInnen wendet sich Solakov mit dem an die Wand geschriebenen Text:
„Stellen Sie sich Folgendes vor:
Was wäre, wenn ich plötzlich mein Leben als Ammonit, als ausgestopfte Ente, als Bergkristall, als Schneeflocke, als Farbenspektrum, als das Material, aus dem dieser Holzboden (auf dem Sie gerade stehen) besteht, leben würde….?
Normalerweise träumt jeder davon „ein anderer“ zu sein: ein bekannter Schauspieler, ein mutiger Ritter, ein reicher Held…
Ich möchte „etwas anderes“ sein — „ein Etwas“, das ich von meinen alten Schulbüchern her kenne, aus den Sammlungen der naturgeschichtlichen Museen, oder einfach aus der unbelebten Natur.
Wer weiß — vielleicht würde ich dann, als Ammonit, als ausgestopfte Ente, als Schneeflocke…., ein besseres Verhältnis zur Gesellschaft um mich herum führen….“

The Pretentious Retrospective [Die anmaßende Retrospektive], 2003-

Alle Installationen der Ausstellung A 12 1/3 (and even more) Year Survey sowie der Katalog;
roter Filzstift, handgeschriebene Texte auf verschiedenen nebensächlichen Trägermaterialien;
Ausmaß und Grad an Selbstkritik variabel
Courtesy der Künstler


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Fotos (außer anders angegeben): Otto Saxinger