Mark Dion - WUNDERKAMMER Oberösterreich Im HÖHENRAUSCH 2015


Pressemitteilung vom:
19. Mai 2015

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MARK DION /US
WUNDERKAMMER Oberösterreich
Im HÖHENRAUSCH 2015

Das OÖ Kulturquartier versteht sich als eine experimentierfreudige Plattform für Regionalkultur, das Programme entwickelt, die sich innovativ, originell und ungewöhnlich mit der Region Oberösterreich auseinandersetzen.

Das Konzept einer „Wunderkammer“, die sich ständig verändert und erneuert, ist ein wichtiger Teil dieser Vision des Oberösterreichischen Kulturquartiers. Sie wird beim Höhenrausch 2015 erstmals umgesetzt.

Historisch gesehen sind Wunderkammern die Vorläufer der Museen. Sie waren Orte des Staunens und Wunderns, in denen Dinge und Gegenstände unterschiedlichster Herkunft präsentiert wurden. In diesen Keimzellen der Wissenschaften war die Grenze zwischen Natürlich und Künstlich noch unscharf und die strenge wissenschaftliche Ordnung und Trennung im heutigen Sinn war noch nicht vollzogen. Nicht die Klasse eines Objektes oder dessen materieller „Wert“ war ausschlaggebend, sondern die Originalität und die (unterschiedliche) Herkunft.

Die Idee von solchen gemischten Objektgruppen ist heute nach wie vor aktuell und besonders aus künstlerischer Sicht interessant. Mit dem Wunderkammer-Prinzip kann beispielsweise ein sehr ungewöhnlicher Blick auf eine Region oder ein kulturelles Thema geworfen werden, da man sich nicht nur in musealen Kategorien bewegt sondern auch Alltagsobjekte einbezogen werden (So wird z.B. beim heurigen Festival der Regionen in der Solvay-Villa eine „Wunderkammer Ebensee“ von einem spanischen Künstler und Kurator eingerichtet).

Insgesamt bietet eine solche „Wunderkammer Oberösterreich“ eine ideale Ergänzung zu den Museumssammlungen.

Für die erste große Wunderkammer-Ausstellung im Rahmen des Höhenrausch 2015 konnte der renommierte amerikanische Künstler Mark Dion, ein wahrer Meister des Sammelns und Archivierens, gewonnen werden.

Dion ist seit mehr als zwanzig Jahren ein leidenschaftlicher Sammler und untersucht in seinen oft an naturkundliche Schauräume erinnernden Installationen das Spannungsfeld zwischen Natur, Mensch und Wissenschaft. Ironisch hinterfragt er museale wissenschaftliche Kategorisierungen und die Art wie wir überhaupt eine Idee von Natur entwerfen. Seiner Auffassung nach sagen klassifizierende Ordnungssysteme, mit denen wir uns natürliche Prozesse erklärbar machen, eher etwas über gesellschaftliche und politische Ideologien aus als über die Natur selbst. Sein eigentliches Anliegen ist somit weniger ein wissenschaftliches, sondern ein ökologisch-politisches.

Thematisch zum Höhenrausch 2015 passend richtet Mark Dion eine fantastische „Luftwelt“ ein: Neben einer betretbaren Voliere mit Zebrafinken versammelt er ca. 350 Objekte aus oberösterreichischen Museen, privaten Sammlungen, Antiquariaten, Flohmärkten und Trödlerläden.

65% der musealen Objekte stammen aus den Oberösterreichischen Landesmuseen, einem wichtigen Höhenrausch-Kooperationspartner. Das Stift Kremsmünster stellt für die Einrichtung die Originalschränke seiner Wunderkammer (Baujahr 1780) zur Verfügung.


Über die Projekte:

MARK DION
Luftwelt, 2015

Mark Dion schafft künstlerische Arbeiten über Ordnungs- und Sammlungssysteme und ist fasziniert von diesen magischen, später durch die wissenschaftliche Ausrichtung des Museums abgelösten Sammlungen. Bei der Realisierung seiner Projekte bedient sich Dion Methoden und Verfahren aus der Wissenschaft und Archäologie: Er sammelt, archiviert, ordnet und vergleicht, schafft aber mit der Präsentation wieder eine unmittelbare Erfahrung. Die ungewöhnliche Zusammenstellung von Fundstücken und Präparaten zeugt von der über Jahrhunderte reichenden Anziehungskraft des Fliegens auf die menschliche Fantasie und den Erfindungsgeist.

Die Objekte sind vielfältig und stammen aus Bereichen wie Archäologie, Militär und Technik, Volkskunde/Folklore, Kunst- und Kunstwerbe, Biologie, Numismatik und Biologie aber auch aus Grafischen Sammlungen, Schulen und Bibliotheken. Zu den Highlights zählen etwa ein Himmelsglobus des bedeutenden Astronomen Johann Gabriel Doppelmayr von 1790 aus dem Stift St. Florian, ein Eisenmeteorit aus Portugal aus den OÖ Landesmuseen oder eine Horizontalsonnenuhr von Franz Ressl (1759) aus dem Kloster Hohenfurt/Vissy Brod.

Leihgeber: OÖ Landesmuseen, Lentos und Nordico, Ars Electronica Center, OÖ Kunstsammlung/ Artothek, Flughafen Linz, BRG Fadingerstraße, Helikopter Air Transport GMHB, Fa. HB Flugtechnik Haid, Moviemento /City Kino, Fritz Lüftinger (Vogelschnitzer), Kunstsammlungen Stift Kremsmünster, Sternwarte Stift Kremsmünster, Stadtmuseum Peuerbach, Kloster Vissy Brod, Stift St. Florian.

Library for the Birds of Linz, 2015
[Bibliothek für die Vögel von Linz]

In einer Vogelvoliere stellt Mark Dion nicht nur eine Bibliothek für Vögel zusammen, sondern thematisiert mit seiner begehbaren Installation auch das Verhältnis von Mensch und Tier. Die Vögel und die BesucherInnen sind aufgefordert, sich Wissen für die Herausforderungen ihrer gemeinsamen Lebensrealität anzueignen.

Mark Dion geht es in seiner jahrzehntelangen künstlerischen Auseinandersetzung um einen kritischen Zugang zum Thema Natur. Getrieben von Wissensdurst und Entdeckungslust, erkunden, vermessen und sammeln Menschen Naturphänomene. Gleichzeitig werden Tiere und der gemeinsame Lebensraum ausgebeutet. Neben ornithologischen und naturkundlichen Büchern stellt er den etwa 20 Zebra- und Reisfinken in einer überdimensionalen Rundvoliere „nützliche“ Informationen (wie Reiseführer oder Literatur über Katzen und die Verschmutzung der Meere) zur Verfügung. Neben den literarischen Tipps finden sich als augenzwinkernde Warnung die mitunter „gefährlichen“ Gerätschaften des Menschen wie Waffen und Fallen. Ironisch regt Mark Dion damit einen Perspektivenwechsel an, der umso deutlicher wird, wenn man die „Vogelwelt“ der Voliere betritt und damit selbst zum Ausstellungsobjekt wird.

The Realm of the Air, 2015
[Das Reich der Lüfte]

Eine Ahnung von der Fülle und Vielfalt existierender (oder erdachter) „Flugkörper“ vermitteln die in Schwarzlicht getauchten Silhouetten, die sich schemenhaft vom dunklen Untergrund der Wände abheben.
Reale, natürliche, historische, mythische und technische fliegende Wesen und Objekte sind hier in ihren realen Größenverhältnissen nebeneinander versammelt. Dieses dicht besiedelte Reich der Lüfte reicht quer durch alle Kategorien: von Tieren, wie der kleinen asiatischen Flughornisse bis zum riesigen Flugsaurier, über den imaginären Engel, diverse Flugobjekte wie Pfeil und Luftballon hin zu Fluggeräten, wie dem von Leonardo Da Vinci.

Partizipationsprojekt „Alles was fliegt“, 2015

In dem von Mark Dion konzipierten Projekt Alles was fliegt werden private Leihgaben in Vitrinen präsentiert, eine „Wunderkammer für AusstellungsbesucherInnen“.

In vielen Haushalten gibt es Gegenstände oder Abbildungen, die mit dem „Fliegen“ zu tun haben und von ihren BesitzerInnen aus unterschiedlichen Motiven aufgehoben werden. Derartige Objekte werden während des Höhenrausch gesammelt und, mit einem Steckbrief versehen, ausgestellt – vorausgesetzt sie passen in eine Schuhschachtel.

Die HöhenrauschbesucherInnen sind aufgerufen, ihre „Flugobjekte“ mit zu bringen und der Wunderkammer zu leihen. Die Gegenstände (oder Ihre Abbildungen) können sowohl aus der Natur stammen, mechanische Fluggeräte darstellen oder sonst einen Bezug zum Fliegen haben (ausgestopfte Vögel, spezielle Federn, Schmetterlinge, Flugzeugmodelle aller Art, aber auch Sportgeräte wie Frisbees, Pfeile, Federbälle etc). Interessant wird diese Sammlung verschiedenster Objekte durch ihre jeweilige Geschichte: Warum werden diese Dinge aufbewahrt? Welchen Raum und Stellenwert haben sie bei den LeihgeberInnen?


Mark Dion

* 1961 in New Bedford/Massachusetts, US. Lebt und arbeitet in New York, US.

Bis 1982 war Dion als Kunstrestaurator tätig. Ab 1984 studierte er an der School of Visual Arts in New York und nahm 1985 am Independent Study Program des Whitney Museum of American Art in New York teil, wo den Konzeptkünstler Joseph Kosuth und Hans Haacke und der Fotografin Martha Rosler begegnete. 1986 wechselte er an die University of Hartford School of Art in Hartford, Connecticut und wurde im gleichen Jahr Assistent bei Ashley Bickerton, dem er bis 1990 zur Seite stand.