Leo Schatzl - Fluchtpunkte / Vanishing Points


Pressemitteilung vom:
17. März 2005

Pressebilder:
Zur Bilderübersicht

Links

Ansprechpartner
  • Maria Falkinger
    Marketing / Presse (Leitung)
    +43.732.784178.52540
    Enable JavaScript to view protected content.

LEO SCHATZL
Fluchtpunkte / vanishing points
Werkschau

Presseinformation vom: 17.03.2005

Datum: 18.03.2005 - 08.05.2005

Eröffnung: 17.03.2005 - 20:00

Kurator: Martin Sturm

Das O.K Centrum für Gegenwartskunst zeigt erstmals einen Überblick über das Gesamtwerk des österreichischen Künstlers Leo Schatzl. Unter dem Titel „Fluchtpunkte“ werden in dieser Ausstellung Arbeiten der letzten 20 Jahre, sowie zahlreiche neue Werke präsentiert.

Das Phänomen der Geschwindigkeit, der Gegensatz von Beschleunigung und Entschleunigung ist ein bestimmendes Thema in der künstlerischen Arbeit von Leo Schatzl. Parallel zu den medial und technisch ausgerichteten Projekten und seiner intensiven Beschäftigung mit Fotografie, Film und Video entwickelt der Künstler ein starkes Interesse für gesellschaftliche Randzonen und Territorien. Schauplätze für die Aktionen und Projekte Schatzls waren nicht nur Museen und Galerien, sondern der öffentliche Raum, die Hinterhöfe, die Lokale, subkulturelle Zentren, Steinbrüche oder simulierte Welten. Subversiv, aber auch spielerisch setzt er sich mit gesellschaftlichen Prozessen und öffentlichen Räumen auseinander.

Schatzls Sicht- und Arbeitsweise als Künstler wird in den 80er Jahren entscheidend von der künstlerischen Ausdrucksweise der *industrial culture* und einer „Aufbruchstimmung“ an den Kunstuniversitäten, die medial und interdisziplinär ausgerichtete Konzeptarbeit anstatt der traditionellen Bindung an ein Material in den Mittelpunkt der Ausbildung rückte, geprägt. Die Studienzeit an der Kunstuniversität Linz bei Laurids Ortner und Helmuth Gsöllpointner hinterlässt genauso ihre Spuren wie die Entwicklung der Medienkunst und die entstehende „freie Linzer Szene“. – Bei Leo Schatzl sind besonders die Stadtwerkstatt und die Mitarbeit bei Contained für die eigene Positionsbestimmung wichtig.

Geprägt von der Euphorie und dem Zukunftsoptimismus der 60iger und 70iger Jahre, der Zeit der frühen Raumfahrten, hat sich Schatzl bis heute ein künstlerisches Interesse an zukunftsorientiertem Design, Science Fiction, neuen Technologien und Medien sowie physikalischen Phänomenen erhalten. Sein experimenteller Ansatz ist vor dem Endprodukt vor allem am Entstehungsprozeß interessiert.

Fluchtpunkte

Der Fluchtpunkt einer perspektivisch projizierten Darstellung ist der Punkt, in dem sich alle gedachten Geraden des Bildes schneiden, welche parallel zur Blickrichtung von dem Betrachter wegführen (d. h. in die Tiefe des Bildes führen, so genannte ‘Z-Achse’).
Projiziert man einen dreidimensionalen Raum perspektivisch auf eine zweidimensionale Ebene, so entstehen je nach Wahl der Perspektive ein, zwei oder drei Fluchtpunkte. Dies wird als Fluchtpunktperspektive bezeichnet. (siehe wikipedia.org)

Werkschau

Zahlreiche Querbezüge ziehen sich wie Fäden durch das Werk Leo Schatzls. Im Zentrum der Ausstellung stehen Arbeiten zum Thema Bewegung, Rotation und Vibration, die sich unterschiedlicher Medien bedienen. Neben vier neuen Installationen zeigt die Werkschau neue Bildserien, die aus Struktur- und Bewegungsstudien entstanden sind und die Ästhetik seiner Bildsprache und den analytischen Umgang mit medialer Bildproduktion verdeutlichen.

Die temporären Arbeiten und Performances langjähriger Themen- und Werkkomplexe, wie Betonskulpturen, Lichtzeichnungen und Tabuzonen liegen als Schwarz-Weiß Fotografien vor.
Parallel dazu wurden Schatzls mechanische Objekte und Automaten („Crabbler“ 1997, „Transmitter“ 1998, und „Vibrotool“ 1998) neben Entwürfen, Plan-Zeichnungen und Skizzenbüchern in einem Archivraum gruppiert.

Der inzwischen zur Medienikone gewordenen Beitrag zur Biennale Sao Paolo 2004 (in Zusammenarbeit mit David Moises und Severin Hofmann) wird als Fotoarbeit, als Modell der Installation und in einer Videodokumentation von Kurt Hennrich (Produktion Fischer Film) präsentiert.

Neben diesen experimentellen Anordnungen zeigt die Ausstellung eine kleine Auswahl von Fotos und Videos aus dem Materialfundus seiner Reisen 2003/2004 (Handwerker, Afrika 2004 und Antennen-Fotos), sie stehen in der Ausstellung wie ein Einschub für Schatzls Interesse an kulturellen Prozessen und Phänomenen, das sich auch in älteren Arbeiten spiegelt.

Rotation / Vibration – neue Arbeiten

Ludmilla, 2005

Ein Vibrationskino, das den „verschwundenen“ KosmonautInnen gewidmet ist.

Auf Knopfdruck beginnt das Bild des Astronauten zu vibrieren, es scheint sich aufzulösen. Aber Juri Gagarin will nicht ganz verschwinden, fast widersetzt er sich der Technik die ihn „fernsteuert“. Tatsächlich ist es aber die Funktionsweise unseres Gehirns, die sich gegen die Auflösung stellt: Sie ist darauf konditioniert, Gesichter als solche zu erkennen, auch wenn sie vibrieren, wackeln oder verzerrt sind.

Gravitationskollaps II, 2005

Von der Decke des großen Saals abgehängt schwingt und wabbert ein Riesen-Dougnut mit 5 m Durchmesser. Frei nach Hawkins dient es als Universumsmodell bzw. als Schwarzes Loch. Gleich der in der Astrophysik beschriebenen Rotation der Galaxien bewegt sich der auch als Torus bezeichnete Ring. Erst durch ein Ungleichgewicht der Kräfte (Gravitation und Energie im Inneren) könnte ein „Gravitionskollaps“ entstehen, der wiederum am Beginn eines Lebenszyklus für Sterne und Galaxien steht.

Rotoobjekt, 2005

Durch die Drehung von Lichtschnüren um die eigene Achse entsteht ein scheinbarer Körper, eine immaterielle Skulptur. Die Installation ist als Versuchsmechanismus zur Generierung von Lichtskulpturen gedacht. Die entstehenden Raumvolumina sind variabel und können nur fotografisch fixiert werden.

Vertifly, 2005

ein zweimotoriges Modellflugzeug befindet sich im permanenten Steigflug und strebt vertikal nach oben - allerdings an die eigene Energieversorgung am Boden gefesselt.

dented_surfaces

time_scratched

Die zwei neuen Bildserien, beide je vier Inkjet-Prints auf Büttenpapier, folgen unterschiedlichen Ansätzen:
Während die dreidimensionalen Strukturen der weißen Serie "dented_surfaces" computer-generiert sind und ein weiches, gebrochenes unscharfes Bild vermitteln, basiert die schwarze Serie "time_scratched" auf fotografischen Vorlagen. Die Kratzer an der Oberfläche sind zufällig entstandene Zeitspuren, die Motive des ursprünglichen Bildmaterials sind nicht mehr zu erkennen.

Aus beiden Serien wurde je eine Arbeit in limitierter Auflage ( von 30 Stück und 10 Künstlerexemplare, 2-teilig, A3, nummeriert, signiert, datiert) eigens als O.K Edition aufgelegt und ist zu einem Preis von 300,— Euro erhältlich.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Folio Verlag : ISBN 3-85256-303-8
Katalogpräsentation und Finissage: 8. Mai 2005

Leo Schatzl

Geboren in Obernberg/Inn (Oberösterreich),
1980-1987 Studium an der Kunsthochschule in Linz (MK Visuelle Gestaltung, MK Metallgestaltung). Zusammenarbeit mit diversen Kulturvereinigungen (Stadtwerkstatt, Unabhängige Filme Linz…) und Künstlergruppen.
1987 Übersiedlung nach Wien, freischaffend tätig.
Seit 1992 Lehrauftrag (Intermediäre Labors) an der Kunstuniversität Linz.

Projekte, Ausstellungen, Film- und Videovorführungen im In- und Ausland.
Hauptsächliche Arbeitsgebiete: interdisziplinäre Rauminstallationen, Objekte, bildgebende Medien.
Webseite Leo Schatzl: www.taboo.at


Pressefotos

Abdruck der Bilder bei Nennung des des Bildtextes honorarfrei.
Um die Bilder downzuloaden, mit rechtem Mausklick "Ziel speichern unter…" auswählen.

Fotos (außer anders angegeben): Norbert Artner