Island by Numbers


Pressemitteilung vom:
27. Mai 2003

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Datum:

28.05.2003 - 13.07.2003

Eröffnung:

27.05.2003 - 20:00

Kurator: Roland Schöny

Nomadisches Unterwegssein wurde in einem zunehmend globalisierten Kulturbetrieb zu einem geradezu selbstverständlichen Bestandteil künstlerischer Existenz. Zumeist sind es die Metropolen und magnetischen Knotenpunkte des internationalen Betriebssystems Kunst, die als Reiseziele anvisiert werden. Als Player in einer entgrenzten Diskurs- und Kommunikationskultur geht es KünstlerInnen um möglichst weitflächige Präsenz und Rezeption. Ihre Ateliers lassen sich als mobil beschreiben und haben teilweise den Charakter transitorischer Workstations angenommen.

Für dieses Projekt jedoch führte der Weg an die nordwestliche Peripherie Europas, auf eine Insel, die wegen ihrer sprachlichen Tradition, ihrer außergewöhnlichen landschaftlichen und klimatischen Bedingungen und nicht zuletzt wegen ihrer vergleichsweise geringen Bevölkerungsdichte in vielerlei Hinsicht einen Sonderstatus einnimmt.

Island stand als Ziel auf den Tickets einer heterogen zusammengesetzten KünstlerInnengruppe, die als posttouristische Reisegruppe aufbrach, um eine Insel zu erkunden, die medial höchstens punktuell wahrgenommen wird, während sie kulturell als Herkunftsland von Popstar Björk oder jüngst als Heimat der Band Sigur Ros ins Blickfeld gerückt ist.

Die Ausstellung versteht sich somit als Ergebnis einer Expedition, deren Triebkraft die Lust, das Fremde oder Andere Islands zu erkunden, war. Im Handgepäck ein kleines von kuratorischer Seite formuliertes Auftragspapier brachten die reisenden KünstlerInnen ihre teils subjektiven Eindrücke mit, um diese wiederum in die ihnen vertrauten Sprachen und visuellen Ausdrucksmittel zu transformieren. Das Ergebnis ist eine Zusammenschau aus Fotoarbeiten, Videos und Installationen sowie tagebuchartig zusammengefassten Reiseeindrücken, die sich im Dialog mit der außergewöhnlichen Landschaft und den besonderen Lebensbedingungen auf Island ergaben.

Eine für Island typische Schutzhütte etwa baut Gerhard Gutenberger, für den die Insel als ehemaliger Arbeits- und Lebensmittelpunkt Dieter Roths Bedeutung gewann, im großen Saal des O.K nach. Das Innere dieses architektonischen Zitats wird mit zahlreichen Erinnerungsstücke wie Bildern, Fotos und kleineren Objekten ausgestattet.

Pepi Maier, der in der Fischereination Island ursprünglich der Kulturgeschichte des Umgangs mit dem Kabeljau nachspionieren wollte, reflektiert die Erfahrung von Wasser und Kälte und den damit verbundenen rauen Lebensbedingungen in Form einer abstrakten, vereisten Spirale, die in der Schlucht des O.K installiert wird.

Ausgangspunkt für eine Video- und Audioinstallation von Josef Ramaseder wiederum sind physikalisch- und psychologisch bedingte Phänomene der Schwellenwahrnehmung und das Erleben von Licht.

Beate Rathmayr setzt ihre Reise durch das Land mit der niedrigsten Bevölkerungsdichte Europas und dessen vordergründig vorhandene extreme Lichtverhältnisse unter anderem in Beziehung zu ihrer bisherigen Arbeit, wo in den mit „Dreamteams“ übertitelten Fotoarbeiten Bilder einzelner Menschen zu sozialen Gruppen zusammengefügt werden. Rathmayrs Ausstellungsbeitrag zeigt Aufnahmen spezieller öffentlicher Plätze wie zum Beispiel Schwimmbäder und Sportplätze.

Oliver Dorfer sieht das Moment der Reise als realtime-movie, das sowohl vor als auch hinter der Netzhaut spielt. Dieser Zugang manifestiert sich in seiner Wandinstallation aus zahlreichen Leuchtkästen mit Comics und am Computer gesampeltem Erzählmaterial, die wie ein nachgereichtes storyboard der Reise wirkt.

Claudia Plank und Hans Werner Poschauko führen in hypnotische Bildwelten. Aus ihrem per Video aufgezeichneten mitgebrachten Material komponierten sie eine begehbare Doppelprojektion, die von eigens dafür gestalteten Sounds begleitet wird. (Musik: Ruei-Ran Wu)

Auch eine Künstlerfreundschaft und –kooperation wurde zu einem zentralen Moment dieser Island-Reise. In Folge dessen wurde der isländische Künstler Gudmundur R. Ludviksson nach Linz eingeladen, um vor Ort ein Projekt zu realisieren. Seine speziell für dieses Ausstellung konzipierte Soundinstallation geht von den im Zusammenspiel der Naturelemente Wasser und Feuer entstehenden Klängen aus, die über eine Tonanlage verstärkt zu hören sein werden.

Ebenfalls als Mitbringsel der reisenden KünstlerInnen zu verstehen ist die Präsentation „Zeitgenössische Kunst in Island“ durch das Living Art Museum, Reykjavik in Form von Katalogen, Videos und anderen Dokumenten.

Idee: Pepi Maier, Josef Ramaseder, Beate Rathmayr
Kurator: Roland Schöny


Oliver Dorfer

Tide, 2003

40 Leuchtkästenlampen, 40 prints auf Transparentfolie, Format: 510 x 330 cm

Wenn man Reise als realtime-movie, das vor und hinter der Netzhaut spielt versteht, so ist die, in Reaktion auf diese Islandreise entstandene Arbeit tide, das nachgereichte storyboard dazu. Oder anders gesagt: das Comic zum Film. Präsentiert werden die von Oliver Dorfer generierten Bilder auf Folien in einer Reihe von Leuchtkästen.

tide ist eine am Computer gesampelte Verzahnung von visuellem Erzählstoff, der sich aus verschiedensten Inputs (Skizzen, Zeichnungen, gescannten Fotofragmenten etc.) - während und nach der Islandreise entstanden, speist, ohne auf direkt narrative Lesbarkeit zu verweisen. Eher schon handelt es sich um bad icons, disfunktionale Bildsymbole.

Oliver Dorfer
1963 in Linz geboren, als Künstler Autodidakt

Arbeit an Zeichnung, Malerei, Skulptur und Druckgraphischen Techniken wie Lithographie und Carborundumdruck

Seit 1989 diverse Preise und Stipendien für Bildende Kunst ( u.a. Talentförderungspreis des Landes OÖ, Förderpreis der Stadt Linz für Bildende Kunst, Bauholding Förderpreis für Bildende Kunst ( 1. Preis), 26. österreichischer Graphikwettbewerb Innsbruck (Preis der Bundeshaupt-stadt Wien).
1997 – Abschluß des Studiums " Sozial- und Wirtschaftswissenschaften" an der Johannes Kepler Univ. Linz.
Enge Zusammenarbeit mit den Galerien Academia/ Salzburg, Hilger/ Wien, Devlin/ Montreal und Baukunst/ Köln.


Gerhard Gutenberger

Schutzhütte, 2003

Objekt, ca. 5 x 5 x 3,5m, Holz lackiert

Gutenberger hat eine für Island typische Schutzhütte aus Holz ist im großen Saal des O.K nachgebaut. Die Hütte beherbergt seine Erinnerungen an Island - wie es war und doch so nie gewesen ist:
Bilder, Photos, Texte, Objekte, Toninstallationen, Musik- und Sprachzitate finden sich im Innenraum und zeichnen das subjektive Island-Erleben des Künstlers.

Gerhard Gutenberger
geb. 1959 in Wels; lebt und arbeitet in Laakirchen OÖ und in Paris

Studium an der Hochschule für künstlerische und industrielle Gestaltung Linz (Prof. Gsöllpointner), Diplom 1994; Kunstakademie Prag (Prof. Milan Knizak);
1994- 95 MESA, Masterprogramme Architecture Art Design London/Briey, (Prof. Ron Kenley, Prof. David Porter, Prof. Pascal Schöning )

Zahlreiche Preise und Auszeichnungen
Ausstellungen (Auswahl):
1998 „Gutenberger, Knogler, Maier“ (Galerie Hubert Winter Berlin , D)
2000 „SALON“ (Galerie im Stifterhaus, Linz OÖ ) Publikation
2001 Neue Arbeiten (Galerie 422, Gmunden OÖ )
2002 G. Gutenberger Präsentation (Museum der Wahrnehmung, Graz)


Gudmundur R. Ludviksson

Darkness Ecco, 2003

Soundinstallation,
Metallplatten, Gasbrenner, Audioabnehmer

Die Installation von Gudmundur R. Ludviksson besteht aus verschiedenartigen Metall-platten, die von der Decke hängen. Über jeder dieser "Metallskulpturen" ist ein tropfender Wasserbehälter montiert, darunter jeweils eine Feuerquelle (Gas).
Manche der Platten sind über Mikrophone miteinander verbunden. Der Klang wird über vier Lautsprecher auf den Gang außerhalb des Raumes übertragen. Der Originalklang des tropfenden Wassers ist ebenfalls zu hören.

Die Arbeit verweist auf Höhlen in Island, in denen sich durch die natürlichen Gegebenheiten die unterschiedlichsten “Tropf-Klang-Symphonien“ ergeben.

Gudmundur R. Ludviksson
geboren 1954, lebt und arbeitet in Reykjavik, Island

Ausbildung zum Küchenchef an der Hotelfachschule Island, Multimediastudium an der Kunstakademie Island, Kunstakademie Rotterdam Niederlande, Kunstakademie Frankfurt, D

Zahlreiche internationale Ausstellungen und Performances (Auswahl):
1993 THE LIVING ART MUSEUM, Reykjavik - performance
1994 GALLERY SHADE THAMES, London UK - FILM & Borderline
1994 GALLERY NEFTU, Rotterdam, Holland - HOW TO BE BORN
1994 GALLERY BLACK 10, Rotterdam, Holland - installation, sculpture
1995 THE ART FESTIVA, Akureyri Iceland – computer art
1998 The Living Art Museum, Reykjavik
2000 HÖFN HORNARFIRÐI
2001 KJARVALSSTADIR ART MUSEUM OF REYKJAVIK


Pepi Maier

Twist Below Zero, 2003

Installation, Kupferrohr, Kältemaschine, Eis

Eine dickvereiste Kupferrohrspirale mit mehr als einem Meter Durchmesser füllt die gesamte Schlucht des O.K. Freischwebend schlängelt sich das Objekt durch den leicht gekühlten Raum, begleitet vom Lärm der Kompressoren in den Kühlgeräten.

"Twist Below Zero" ist kein Bild für den vielzitierten Tanz auf dem Vulkan, sondern vielmehr ein Symbol für die durch die rauen Umstände in Bewegung gehaltenen Lebensformen an der Grenze zum Polarkreis - ein Kühlaggregat als Reminiszenz an Island.

Pepi Maier
1959 in Passau geboren, Studien in Wien (Theaterwissenschaften, Völkerkunde),
Pädagogische Akademie in Linz)
1984 Meisterklasse Metall (Prof. Helmuth Gsöllpointner), Hochschule für künstlerische und
industrielle Gestaltung Linz
1993-94 Jan van Eyck Akademie Maastricht/Niederlande
seit 1995 Lehrauftrag an der Universität für Gestaltung, Linz, Raum&Objekt

Zahlreiche Preise und Auszeichnungen u.a. 1989 Kunstförderstipendium der Stadt Linz;
1990 Talentförderungsprämie des Landes Oberösterreich

Ausgewählte Gruppenausstellungen
1989 „Platz der Kunst“, O.Ö. Landesmuseum mit Selichar, Huber, Bitter, Schatzl, Weber
1991 7. Triennale New Dehli, Beteiligung
Kunstverein Hamburg, Deichtorhallen, „Junge Kunst aus Österreich“ Beteiligung
1997 „Schwerelos“, Ludwigsmuseum Budapest, Ungarn, Beteiligung
1998 Galerie Winter, Berlin, Beteiligung


Claudia Plank
Hans Werner Poschauko

landscape without mirrors, 2003

Doppelvideoprojektion, 30 min Loop, Audioinstallation, DVD

Musik: Ruei-Ran Wu

landscape without mirrors ist eine Videoinstallation mit zwei gegenüberliegenden Leinwänden.
Die Bilder werden verlangsamt, in sich verdoppelt, farblich umgedreht und in der Gegenüberstellung zu einem Ganzen zusammengefügt: Bild und Bild ergeben in ihrer Kombination die Grundlage für eigene Bilder.

Die gegenüberliegende Doppelprojektion ist somit eine Versuchsanordnung, die jede Zuschauerin und jeden Zuschauer etwas anderes sehen lässt als die Anderen und niemanden alles.
Die BesucherInnen bewegen sich durch eine imaginäre Landschaft, vorbei an schwarzen Wasserfällen, rauchenden Bergen, weißen Walen und Kindergesichtern, an unberührter Natur, die in immer größer werdendem Kontrast zur allgemeinen Ausbeutung von Landschaften und den Ressourcen der Erde stehen.

Claudia Plank
H.W. Poschauko

leben und arbeiten in Wien, Zusammenarbeit seit 1990

Studium an der Hochschule für angewandt Kunst und Post-graduate Studies an der Jan van Eyck Academie, Maastricht

Zahlreiche Ausstellungen und Performances, u.a. (Auswahl)
Einzelausstellungen
2002 „Urban Vodoo“, Kunstbüro 1060, Wien
1995 „Play Dead“, Kunsthalle Exnergasse Wien
1991 „Verborgene Wege“ Wiener Secession, Galerie, Wien

Gruppenaustellungen
2001 „Die neuen Künstlergenerationen“, Kunsthalle Krems
2000 „John, I’m only dancing“, M. Harvey Gallery, London
1999 „Re-envisioning knowledge“, 3. Medienbiennale München
1995 „Gewerbeschein Künstlerin“, Shedhalle Zürich
„Bodypolitics: Self-Determination“, Museum moderner Kunst, Arnhem, Holland


Josef Ramaseder

Aurora popularis, 2003

Video- und Audioinstallation

Josef Ramaseder konfrontiert das Publikum in seiner Installation mit physikalisch-psychologischen Phänomenen der Schwellenwahrnehmung. Er arbeitet mit minimalen Lichtstärken an der Grenze des sinnlich Wahrnehmbaren und erzeugt dadurch verschiedene optische Illusionen.

Ein komplett schwarz ausgelegter Raum mit nahezu perfekter Lichtabschirmung fungiert nicht nur als Präsentationsraum während der Ausstellung, sondern war bereits im Vorfeld Location für Videoaufnahmen und die Entwicklung der Arbeit.
Mittels besonderer Aufnahme- und Projektionskonstellationen erzeugt Ramaseder die Illusion von Dreidimensionalität. Personen oder Objekte lösen sich aus der Projektionsfläche und bewegen sich scheinbar hologrammartig im Raum.
Die Videoinstallation ist mit geflüsterten Textstatements gekoppelt.

Josef Ramaseder
geb. Linz 1956; lebt und arbeitet in Linz

1974-1980 Universität Wien, Medizinstudium
1979-1983 Hochschule f. Angewandte Kunst (Prof. Oswald Oberhuber)
1977-1979 Gündungsmitglied Falter/ Stadtzeitung Wien
1982/83 Stipendium Rom
1983-1994 New York, arbeitet u.a. mit Francesco Clemente

zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland


Beate Rathmayr

vatn, 2003

Installation
2 Fotografien Diasec 125x185 cm, 2 Videos DVD Loop

Iceland – Island: our land; little nothing – places of interest

Beate Rathmayr beschäftigt sich in ihren Fotoarbeiten mit der Definition von sozialen Gruppen. Durch Montage fügt sie die Aufnahmen von Menschen zu Gruppen zusammen. Es entstehen imaginäre Gemeinschaften, sogenannte „Dreamteams“.

Auch in ihrem Islandprojekt nimmt sie die Auseinandersetzung mit dem Thema der Zusammengehörigkeit auf. Daraus entstehende Fragestellungen ergeben sich sowohl durch Reise als Gruppe, wie auch durch das Erleben einer Insel mit äußerst geringer Bevölkerungsdichte.

Der Ausstellungsbeitrag zeigt Aufnahmen von öffentlichen Plätzen, wie zum Beispiel Schwimmbädern und Sportplätzen. Ein Versuch der Definition von Dorf und Stadt – dem Zusammensein von Menschen.

Beate Rathmayr
geboren 1969 in Wels, lebt und arbeitet in Linz

Studium an der Hochschule für künstlerische und industrielle Gestaltung MK Textil und an der Hogeschool Rotterdam.

1996/97 Studienassistenz an der HFG Linz (MK Textil). 1997/98 Arbeitsstipendium des Bundes. 2002 LKA Stipendium der Stadt Linz für Reykjavik/Island. 2002 Talentförderungsprämie des Landes Oberösterreich für bildende Kunst.

Zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland (Auswahl):

1997 „European artists“ Living Art Museum, Reykjavik, Island
1998 „doubleganger“ Buchpräsentation in der Stiftergalerie Linz, gemeinsam mit Hildegard Haselgrübler
1999 „Projektwerkstatt 99“ O.K Linz, gemeinsam mit Hildegard Haselgrübler
“Linz-London-Reykjavik” Galerie Maerz Linz, gemeinsam mit Verena Gfader und Gudmundur R. Ludviksson
2001 „dreamteams“ Buchpräsentation – OÖ Landesgalerie, Linz und Fotogalerie Westlicht, Wien


Pressefotos

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Fotos: Otto Saxinger