Die Ordnung der Natur I


Pressemitteilung vom:
3. Juni 2005

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Die Ordnung der Natur I

Presseinformation vom: 03.06.2005

Datum: 04.06.2005 - 24.07.2005

Eröffnung: 03.06.2005 - 20:00 Uhr

KuratorInnen: Genoveva Rückert & Martin Sturm
Künstler: Tamara Grcic /DE , Henrik Håkansson /SE, Inès Lombardi /BR/AT, Roland Maurmair /AT, Rúrí /IS, Margret Weber-Unger /AT , Diana Thater /US, Ella Ziegler /DE, David Zink Yi /PE/DE , Christina Zurfluh /CH/AT | KuratorInnen: Genoveva Rückert & Martin Sturm

In einer engen Kooperation zwischen dem Museum Moderner Kunst – Stiftung Wörlen Passau und dem O.K Centrum für Gegenwartskunst Oberösterreich entstanden zwei unterschiedliche, jedoch gemeinsam konzipierte Ausstellungen zum selben Thema.

Die Einbeziehung wissenschaftlicher Erkenntnisse im Umgang mit Natur gehört zur Strategie vieler zeitgenössischer KünstlerInnen. Sie versuchen mit wissenschafts-verwandten Methoden der Verbindung des Menschen mit seiner Umwelt nahe zu kommen. Ausgehend vom Begriffspaar „Natur und Kunst“ werden in den beiden Ausstellungen zeitgenössische Positionen gezeigt, die die kulturell bedingten Repräsentation von Natur thematisieren.
Auch wenn sich die Verfahrensweisen von KünstlerInnen und WissenschaftlerInnen auf den ersten Blick ähnlich sind – Beobachtung, Dokumentation, Analyse, strukturelle systematische Untersuchung, Thesenbildung, die Suche nach Ordnungsbegriffen –, besteht doch ein grundsätzlich anderer Zugang. KünstlerInnen als ForscherInnen nähern sich Naturphänomenen und übersetzen diese und arrangieren sie neu.

Als Expedition von KünstlerInnen in das „Reich der Natur“ tauchen in den beiden Ausstellungen, die wie zwei Kapitel zu einem Thema angelegt sind, charakteristische Arbeitsweisen wie Recherchieren, Entdecken, Freilegen, Dokumentieren, Simulieren, Kreieren und Sichtbarmachen auf.
Der Unterschied der beiden Ausstellungen liegt in der Auswahl der KünstlerInnen, die sich nach der Programmatik und dem Profil der beiden Häuser richtet: Während das MMK als Museum eine Brücke zwischen inzwischen kanonischen Positionen einerseits und jungen Positionen aus dem klassisch bildnerischen Bereich andererseits schlägt, setzt das O.K als Produktionshaus seinen Schwerpunkt auf Rauminstallationen und Medienarbeiten.

DIE ORDNUNG DER NATUR II.

MUSEUM MODERNER KUNST PASSAU – STIFTUNG WÖRLEN

5. Juni – 31. Juli 2005, Eröffnung: 4. Juni 2005, 17.00 Uhr

Olafur Eliasson, Ian Hamilton Finlay, Michael Höpfner, Inès Lombardi, Simone Nieweg, Wilhelm Scherübl, Thomas Struth, Dagmar Varady, Martin Walde, Lois & Franziska Weinberger | Kurator: Hans-Peter Wipplinger


TAMARA GRCIC /DE

Flügelschlag eines Schmetterlings, 2005

Installation mit Ton
Mechanische Konstruktion, MDF Streifen, Tracker zufallsgeneriert
Soundsystem mit Tonabnehmer, Verstärker, Audioboxen

Tamara Grcic spricht im Zusammenhang mit ihren Arbeiten von einem filmischen Moment, einem „Zustand“, der sie interessiert und den sie innerhalb einer bestimmten Zeitspanne installativ herstellt oder dessen Flüchtigkeit sie in ihren Video- und Fotoarbeiten festhält.
Die Wildheit der Natur, ihre Unkontrollierbarkeit war der Ausgangspunkt für die neue Arbeit Flügelschlag eines Schmetterlings, 2005, die Tamara Grcic eigens für die Ausstellung „Die Ordnung der Natur“ entwickelte. Als Reaktion auf das Thema, auf die Strukturierung von Natur nimmt sie die existentielle und bedrohliche Seite der Natur auf. Gleich der aus der Chaostheorie bekannten Gleichung vom Flügelschlag eines Schmetterlings, der Hunderte Kilometer entfernt einen Wirbelsturm auslösen kann, schlägt in der Schlucht „etwas“ von oben gegen das Glas, der Klang setzt sich als Bewegung durch den Raum fort.
Der viel zitierte Flügelschlag ist nur eine Art Symbol, um die tatsächlichen globalen Vernetzungen aufzuzeigen. In Tamara Grcics Installation mit Ton bezeichnet er bildhaft die Auswirkungen einer kleinsten Bewegung auf einen großen Zusammenhang. Der plötzlich und in unregelmäßigen Abständen erfolgende Schlag „erinnert“ daran, dass wir uns zwar geschützt im Innenraum befinden, die Natur jedoch immer wieder an diese Sicherheit pocht. Tamara Grcic ging es darum Natur in ihrer letztendlich ungreifbaren Dimension sinnlich erfahrbar zu machen und das Ereignishafte in den Vordergrund zu stellen.

Tamara Grcic, geboren 1964 in München; lebt und arbeitet in Frankfurt/Main / DE


HENRIK HÅKANSSON /SE

Tiergarten, Berlin, 12 May, 2002 (Luscinia megarhyncos), 2002-2004

Installation
14 Video Sequenzen, 14 Computer Displays auf Aluminiumstangen montiert.
14 Videos DVD PAL, mit Ton, diverse Längen. Courtesy: The Modern Institute, Glasgow

Im Mittelpunkt von Henrik Håkanssons Arbeit steht die Beobachtung von Vögeln, Insekten oder anderen Lebewesen und deren Umgebungen. Er sammelt, wie er meint, Fragmente von Naturkreisläufen und übersetzt diese natürlichen Prozesse in einen bildhaft, konstruktiven Rahmen.
Dafür verwendet er Medien und Aufzeichnungsmethoden, die auch in wissenschaftlichen Experimenten und Forschungsprojekten eingesetzt werden. Die Bewegungsstudien, Geräusche oder Stimmen, die er innerhalb eines vorgegebenen zeitlichen Rahmens über Überwachungskameras und Hochgeschwindigkeitsfilme, etc. aufzeichnet, kombiniert er in seinen Installationen gerne mit der räumlichen Rekonstruktion des Aufnahmeprozesses – stellt die Forschungssituation im Ausstellungskontext nach.
„Innerhalb von fünf Stunden wurden am 12. Mai 2002 im Berliner Tiergarten 14 Videofolgen von ebenso vielen Nachtigallen (Luscinia megarhychos) aufgenommen. Die Folgen dokumentieren den Gesang jedes einzelnen Vogels, bis dieser zu singen aufhört. Die Vögel wurden nach der Richtung ihres Gesangs geortet; wenn einer aufhörte, folgte man der Richtung des nächsten. Wenn ein neuer Vogel geortet wurde und sich die Möglichkeit ergab, wurde eine neue Folge aufgezeichnet.“

Henrik Håkansson, geboren 1968 in Helsingborg / SE; lebt und arbeitet in Varberg / SE, Berlin / DE


INÈS LOMBARDI /BR/AT

Given # 2, Given # 20, Given # 21, 2000/02

C-Prints gerahmt, je 142,5 x 247,5 cm; Edition je 3; Courtesy: Georg Kargl, Wien

In ihrem Werkblock zu Flusslandschaften setzt Inés Lombardi ihre konzeptuellen Recherchen zum Thema Wahrnehmung und ihre Auseinandersetzung mit der Komplexität von Zeit und Raum konsequent fort. Bereits ihre 1995 in Venedig entstandene Arbeit Travelogue hatte das Thema Reise mit all seinen gesellschaftspolitischen wie soziologischen Bezugspunkten im Fokus.
Ausgangspunkt der in Linz und Passau präsentierten Foto- und Video-Arbeiten mit dem Titel Given war eine im Jahr 2000 durchgeführte Flussreise von Rotterdam bis ans Schwarze Meer, wovon im O.K drei Fotoarbeiten zu sehen sind. Ergebnis der künstlerischen Beobachtung und fotografischen wie filmischen Analyse sind poetische Aufnahmen von Wasseroberflächen, Uferstreifen und unendlich scheinenden Horizonten. Symptomatisch für die – nur auf den ersten Blick kontemplativ wirkenden – Fotografien Lombardis ist der konzeptuelle und kontextuelle Ansatz, der auf eine Analyse der Bezüge zwischen den Dingen (der Natur) und ihren Erscheinungen hinausläuft.
Der Weg von Lombardis Schiffsreise und den dabei entstandenen Fotografien und Videoaufzeichnungen bis zum präsentierten Kunstwerk ist geprägt von einer intellektuellen Auseinandersetzung. Aus zahlreichen losen Bildfragmenten bzw. Filmkadern arrangiert die Künstlerin bestimmte Einheiten, deren Sujets wiederum konkrete Assoziationen wecken, um letztlich eine Komposition aus vier- bis fünfteiligen Fototableaus oder mehrminütigen Filmsequenzen zusammenzustellen.

Inès Lombardi, geboren 1958 in São Paulo / BR; lebt und arbeitet in Wien


ROLAND MAURMAIR /AT

Werkgruppe Kryptogamen, 1998-2005

Farn, 2004-2005
Installation
Holzkonstruktion, Bewässerungsanlage, Regenmantel bedruckt
300 x 190 x 240 cm; 3 Prints auf Plexiglas 100 x 100 cm, Video DVD PAL 5´30´´
algen.html, 1998/2005
Siebdruck auf Nori-Algen, gerahmt, 60 x 56 cm
Moos, 1998/2005
Installation, TV-Monitor, Audiobox, DVD Player, DVD PAL 1´30´´, Schriftzug Klebefolie

Bärlappfeldgenerator, 2005

Interaktive Installation, Bärlapp-Sporen, Unterkonstruktion, Membran, Mikrophone, Audioboxen, PC, Tisch 35 x 110 x 110 cm

Ausgehend von seiner langjährigen Beschäftigung mit Kryptogamen, womit nach der botanischen Definition die „geheimblühenden“ oder blütenlosen Pflanzen gemeint sind, entwickelt Roland Maurmair für die Ausstellung im O.K neue Arbeiten. Als jüngerer Vertreter der Medienkunst ist seine Übersetzung des Naturthemas mit den Mitteln digitaler Technologien und die dafür verwendete „Sprache“ interessant.
Neben der interaktiven Installation Bärlappfeldgenerator, 2005 wo durch unsere Stimme die feinen Bärlappsporen über eine Membran in Schwingung versetzt und ein Sprachmuster erzeugen, zeigt Maurmair zwei Versuchsanordnungen mit installativem Charakter Farn, 2004-2005 und Moos, 1998/2005, sowie die Druckgrafik algen.html, 1998/2005. Dabei überträgt Maurmair den ASCII Code (Standard-Code für den digitalen Informationsaustausch) als Siebdruck auf flach gepressten Nori-Algen.

Roland Maurmair, geboren 1975 in Innsbruck ; lebt und arbeitet in Innsbruck, Wien / AT


RÚRÍ /IS

Waterfall – Dynkur, endangered, 2004

Audio-CD, 12 transparente Fotografien in Plexiglas-Rahmen, 56 x 56 x 8,5 cm
Courtesy: Galerie Dorothea van der Koelen

Rúrís Thema sind Naturphänomene, die sie in ihrer Erhabenheit, aber auch in ihrer Gefährdung durch den Menschen, durch unsere Kultur, zeigt.
Ausgehend von ihrer langjährigen Auseinandersetzung mit den massiv gefährdeten Wasserfällen Islands hat sie diese in der komplexen Skulptur und Audioinstallation „Archive – Endangerd Waters“ (Biennale Venedig 2003) konserviert. Der überdimensionale Archivkasten ermöglicht durch das Herausziehen einzelner „Fotoplatten“ die 52 wichtigsten Wasserfälle neben den fotografischen Aufnahmen auch akustisch zu erfassen.
In der Ausstellung im O.K zeigt Rúrí eine jüngere Arbeit in der sie den konsumierenden Umgang mit Natur thematisiert. Wie in vielen ihrer Arbeiten kombiniert sie Fotografien auf transparentem Film mit Aufnahmen des Originaltons und ermöglicht uns ein synästhetisches Eintauchen in das Naturphänomen. Der 40 m hohe, terrassenartig angelegte Wasserfall Dynkur, 2004 präsentiert sich uns als Ausschnitt, zerteilt in eine 12teilige Wandarbeit. Rúrí hat die Naturgewalt des Wasserfalls in der verkäuflichen Edition in kleine, gut konsumierbare und vor allem leistbare Happen zerstückelt.

Rúrí, geboren in 1951 in Reykjavik , lebt und arbeitet in Reykjavik / IS


MARGRET WEBER-UNGER /AT

Werkgruppe Coccinellidae (Marienkäfer), 2005

Aus den Sammlungen des Naturhistorischen Museums Wien

Coccinellidae systematisch - zoogeographisch, 2005
20 C-Prints 15,6 x 14,6 cm, gerahmt
1 C-Print 15,6 x 9,6 cm, gerahmt

Coccinellidae inserenda – determinanda (die einzureihenden – die zu bestimmenden) 2005
1 C-Prints 180 x 166 cm, gerahmt

Coccinellidae spezial nach Ernst Grundmann, 2005
Siebruck auf Dibond-Platte 180 x 108,2 cm, gerahmt

Die auf den ersten Eindruck vor allem schönen, präzise komponierten Fotografien, öffnen schnell Margret Weber-Ungers subtilen, ironischen Blick, ihren Sinn für das Hintergründige, für das was sich hinter dem vermeintlich objektiven Gehalt der Fotografie verbirgt.
Ihr Spiel mit Realität und Surrealem, ihr Interesse am Wesen des Sammelns und seinen manchmal absurden Gesetzmäßigkeiten fließt auch in die neue Werkgruppe Coccinellidae (Marienkäfer) ein, die sie eigens für die Ausstellung im O.K entwickelt hat.
Ausgehend von drei unterschiedlichen Formen von Sammlungen von Marienkäfern im Naturhistorischen Museum in Wien, schafft sie in der Beschäftigung mit dem Insekt eine fotografische Studie über das Sammeln.
Im Gegensatz zu der systematischen und der noch einzuordnenden Sammlung, ist die übersichtliche Schausammlung, in der die Marienkäfer nach Anzahl und Form der Punkte präsentiert sind, völlig unwissenschaftlich.
Margret Weber-Unger nimmt die unterschiedlichen Präsentationsformen (aus denen sich die naturwissenschaftliche Systematik für Laien nicht erschließt) auf, um ihre Ordnungsprinzipien schelmisch zu hinterfragen.

Margret Weber-Unger, geboren 1978 in Tragwein / AT; lebt und arbeitet in Wien


DIANA THATER /US

Knots + Surfaces, Version #1, 2001

Installation
5 LCD Video Projektoren; 16 Videommonitore; 6 DVD Player; 6 Videos DVD PAL, Videowall Processor, Licht, Lee Filters; Leihgeber: Thyssen-Bornemisza Art Contemporary, Vienna

Auch wenn es in Diana Thaters Arbeiten vordergründig um Tiere (Wölfe, Delphine, Bienen, etc.) geht, ist ihr eigentliches Thema der Raum. In ihren großen Videoinstallationen spielt das Formen von Raum und das Aufbrechen von Architektur eine zentrale Rolle. Ihr Interesse gilt dem Format „Installation“ als Skulptur in Zeit und Raum, indem sie den/die Betrachter/in und seine/ihre Raumerfahrung ins Zentrum der komplexen Anordnung stellt. Entsprechend verleiht sie ihren Videoinstallationen auch keine narrative Dimension und lässt die Technik genauso sichtbar bestehen, wie in den Videos Verweise auf die Entstehung und die Beobachterfigur auftauchen.
In Knots+Surfaces, 2001 folgt sie der Mathematikerin Barbara Shipman in den sechsdimensionalen Raum der Bienen, den diese zur Wegbeschreibung tanzend zeichnen. Thater übersetzt das abstrakte Raummodell und verschränkt ihr räumliches Interesse mit der Beobachtung und Wiedergabe der Spezies. Gebrochen durch die Architektur taucht als Referenz die hexagonalen Form der Waben in der fünfteiligen Projektion auf.

Diana Thater, geboren 1962 in San Francisco / USA; lebt und arbeitet in Los Angeles / USA


ELLA ZIEGLER /DE

ERNTE LINZ – Nutzobstbestand im öffentlichen Raum, Stand 2005

Offset-Druck auf Papier, 100 x 70 cm, Edition 1000

Ella Ziegler interveniert in das alltägliche Leben und schafft Verwirrungen. Mit ihren oft performativen Akten im öffentlichen Raum macht sie auf das brach liegende Potential des kollektiven Raums aufmerksam, entdeckt im Alltäglichen das Besondere und kommuniziert es.
Eigens für Linz hat Ella Ziegler im Rahmen ihres Artist in Residence Aufenthalt im O.K das Nutzobst des Stadtraums kartografiert. In Kooperation mit den Stadtgärten Linz hat sie deren genaue Auflistung aller Nutzostbäume und Beerensträucher in eine Karte übertragen, die außer Grünflächen nur die Standorte der Obstbäume wieder gibt.
Die Karte zeichnet ein ungewöhnliches, aber logisches Bild, da Grünflächen und Obstbestand in den Zwischenräumen von gebauter Umwelt, Gebäuden, Straßen und der Donau angesiedelt sind. Die Obstbäume, ein deutlicher Verweis auf eine ehemals landwirtschaftliche Struktur des städtischen Raums, sind „verwaltete“ Natur und gleichzeitig kollektives Gut. Während noch vor ein paar Jahren die Bewohner um Pacht beim Amt angefragt haben, wird das abgefallene Obst heute eher als Belästigung gesehen. Dem offensichtlich nicht mehr geschätzten Nutzen der Bäume stellt Ella Ziegler mit ihrer Umrechnung der Erträge in Kuchen, Saft, Schnaps und letztendlich Euro ihren Wert gegenüber.

Ella Ziegler, geboren 1970 in Ilshofen / DE, lebt und arbeitet in Berlin


DAVID ZINK YI /PE/DE

Alrededor del dosel/Umgehen der Baumkronen, 2004

Installation
2 Projektionen, 2 Videos DVD PAL 5´17´´, umlaufender Wandtext Klebefolie
Courtesy: Galerie Johann König, Berlin

Gemeinsam mit einem Biologen ist der in Peru geborene Künstler David Zink Yi einem in den Urwaldgebieten von Madre de Dios, Peru beheimaten mythischen Vogel auf der Spur.
Die Videoinstallation Alrededor del dosel/Umgehen der Baumkronen, 2004 ist gleichermaßen eine Spurensuche nach dem erstmals vom Biologen Carl von Linné wissenschaftlich erfassten Harpie-Adler, und die Dokumentation einer kulturellen Annäherung.
In Erscheinung tritt der Adler nur in der zwischen Poesie und Wissenschaft changierenden Beschreibung des Biologen Antonio Fernandini Guerreros, sichtbar wird er allein in der Imagination des Betrachters.
Wie in seinen vorherigen Arbeiten gilt Davids Zink Yis Interesse kulturellen Phänomenen, die mit seinen eigenen Wurzeln in Verbindung stehen. Während wir in der vertikalen Projektion auf dem Boden den Schritten des Expeditionsteams und in der horizontalen ihrem Blick folgen, werden wir Teil der Suche. Aus einer Perspektive, die auch die subjektive Position des Beobachters mit einschließt, entwickelt er eine subtile Annäherung an die kulturelle Bedingtheit unserer Vorstellung von Natur.

David Zink Yi, geboren 1973, in Lima / PE; lebt und arbeitet in Berlin / DE


CHRISTINA ZURFLUH /CH/AT

ALF, 2004

Gummi, Sewa-Cryl, Glasfaser verstärkt;
ca. 550 x 180 x 180 cm; Courtesy: Galerie Mezzanin, Wien

Christina Zurfluh bezieht in ihr malerisches Werk alle Phasen und Spuren der Entstehung mit ein und entwickelt im schichtenartigen Aufbau abstrakte Kompositionen. Dieser Prozess von mehrfachen Auf- und Abtragen, Zerstören und Neuzusammensetzten, prägt auch ihren Zugang zur Plastik.
Die Skulptur ALF, 2004 entstand durch die Abformung eines fünf Meter langen Baumstammes, der bis dahin im Wiener Prater als Kletterbaum lag. Ebenso wie die Vorlage ist auch der Titel ALF gefunden: eine eingeritzte Buchstabenfolge auf dem Baum, die das Objekt in Assoziation mit dem Plüsch-Alien aus dem einer amerikanischen Fernseh-Soap personifiziert.
Durch das Abnehmen von Einzelteilen in Gips und dem Ausstreichen dieser Negativformen mit der glasfaser-verstärkten Gummimasse Sewacryl entstand die Plastik technisch. Vom Zusammensetzen der Einzelformen blieben die Verbindungsnähte deutlich sichtbar als Brüche bestehen, sind wesentlicher Teil von Gestaltung und Konzept. Fern einer 1:1 Wiedergabe des Naturbildes bildet die Transformation in das klassische Format Skulptur eine Analogie zum kulturellen Prozess an sich. Ausgehend von einem Stück Natur, das jahrelang (in einem kultivierten Areal) „kulturell“ genutzt wurde, entsteht in der Ab- und Umformung wiederum ein Kulturgut, das seine Gemachtheit ebenso wie seine natürlichen Ursprünge vermittelt.


Pressefotos

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Fotos: Otto Saxinger