Das Rauschen der Worte


Pressemitteilung vom:
13. Oktober 2005

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Das Rauschen der Worte
Ein STIFTER Wochenende im O.K

Presseinformation vom: 13.10.2005

Datum: 13.10.2005 - 16.10.2005

Kurator: Martin Sturm
Künstler: Sam Auinger, Werner Fritsch, Andreas Jungwirth, Bernd Preinfalk, Georg Nussbaumer

In einem Sammelband über Wien berichtet Adalbert Stifter 1843 von einem merkwürdigen Musiksalon: Das Quänger’sche Quartett habe sich zum Ziel gesetzt, "die präziseste Musik … ohne die geringste Abweichung des Zeitmaßes" zu spielen. In ihren Augen macht die "Mathematik der Musik…die Schönheit eines Stückes" aus.
Fast scheint es, als hätte sich Stifter zunehmend selbst ein Beispiel an dem Herrn Quänger genommen. Nach den großen Erfolgen seiner Studien-Erzählungen radikalisieren sich seine ästhetischen Ansprüche zusehends. Bereits sein großer Roman „Der Nachsommer“ wird von der zeitgenössischen Kritik spöttisch mit einem "Inventar" verglichen. Umso mehr gilt das für die späten Erzählungen und den Witiko. Tatsächlich beschränkt sich Stifter auf eine "gnadenlose Wiedergabe des Beobachtbaren" (Ehlbeck). Er wiederholt, klassifiziert, gruppiert, reduziert, benennt, entfaltet seine Geschichten mit quälender Langsamkeit. Statt im klassischen Sinn zu erzählen beschreibt und zelebriert er banale Sachverhalte. Die Wörter jubilieren nicht, sie rauschen einförmig und gleichmäßig, präzise geordnet und rhythmisiert.

Der Stifterschwerpunkt im O.K versammelt eine Reihe von Gegenwartskünstlern zwischen den Disziplinen, die sich mit den radikalen Sprech- und Sprachforme(l)n in Adalbert Stifters Texten und der Wirkungsgeschichte dieses scheinbar so harmlosen Biedermeier-Dichters auseinandersetzen.

Donnerstag 13. 10.

Sam Auinger, Werner Fritsch

Denken wie der Wald rauscht

Den Auftakt des Veranstaltungswochenendes bildet am Do 13.10. die Eröffnung der Ausstellung „Denken wie der Wald rauscht“, eine Gemeinschaftsarbeit des Klangkünstlers und Komponisten Sam Auinger mit dem Schriftsteller und Experimentalfilmer Werner Fritsch.

„Denken wie der Wald rauscht“ übertitelt Werner Fritsch einen Text zu Adalbert Stifter, in dem er den gemeinsamen Kindheits- und Erlebnisraum Böhmerwald vergegenwärtigt : „…die heimatliche Nähe: Adalbert Stifter. Allein das Wort Adalbert rief (und ruft) in mir das Bild sanft im Wind wogender Wipfel hervor.“

Stifters Naturbeschreibungen des Böhmerwaldes sind auch die Inspirationsquelle für die Installation: Denken wie der Wald rauscht ist ein Netz aus Worten, Bildern und Tönen, das die drei Ausstellungsräume zu einem Triptychon verbindet. Im ersten Raum herrscht eine langsame, aber stetige Bewegung: Winter- und Eisaufnahmen aus dem Böhmerwald in verschiedener Weisstönung werden durch ‚bunte‘ Einschübe, einen Glockenton und abgestufte Akkorde strukturiert und wie eine Kette aneinandergereiht. Im dunklen dritten Raum , dem Gegenpol zum Raum I, dominiert der Fluß, das Kontinuum: Kreisende Flugaufnahmen der „mäandernden Wondreb“ verweben sich auf vier Projektionsflächen zu einem netzartigen, ewig wiederkehrenden Muster, das durch einen tiefen, modulierten Grundton energetisch aufgeladen wird. Im mittleren Raum jedoch sitzt, wie die Spinne im Zentrum ihres Netzes aus Bildern und Tönen, der Sinn, die Sprache: Werner Fritsch liest nicht nur über Adalbert Stifter, sondern auch aus seinem Buch „Stechapfel“, das „ohne Stifter kaum zu denken ist.“

Sam Auinger
Geb. 1956 in Linz, lebt und arbeitet als Komponist in Berlin.
Seit den frühen 80ern intensive Beschäftigung mit Fragen der Komposition, der Computer-musik, des Sounddesigns und der Psychoakustik.
Gemeinsam mit Bruce Odland gründetet er 1989 "O+A". Das zentrale Thema ist: "Hearing Perspective". Enstandene Projekte sind "Garten derZeiträume" (Ars Electronica 90, Linz), "TrafficMantra Forum Trajanum" (Rom 91), "Sounddesign für Peter Sellers" "Die Perser" (Premiere: Salzburger Festspiele, 93), "Balance" (Sonambiente, Berlin 96), "Box 30/70" (Start 2000 Siemens Stadt, Berlin), "Blue Moon" (New Sounds New York, NYC 2004), u.a.
Neben einer Vielzahl weiterer Einzel- und Gemeinschaftsprojekten, hat Sam Auinger zahlreiche Preise und Stipendien erhalten, wie z.B. Kulturpreis der Stadt Linz, DAAD Stipendium/Berlin - und ist vielfach als Vortragender und Juror geladen.

Werner Fritsch
Geb. 1960 in Waldsassen/Oberpfalz., lebt in Hendelmühle und Berlin.
1987 erscheint sein vielbeachteter Roman CHERUBIM, 1995 STECHAPFEL. Zahlreiche Veröffentlichungen von Prosa, Dramatik, Hörspielen und Filmen, die Fritsch zum Teil selber auf der Bühne, für den Rundfunk oder fürs Kino realisiert hat.
Seine Arbeiten wurden u.a. mit dem Robert-Walser-Preis, dem Rauriser Literaturpreis, dem Preis des Landes Kärnten beim Ingeborg Bachmann Wettbewerb 1987, dem Hörspielpreis der Kriegsblinden und dem Else-Lasker-Schüler-Preis ausgezeichnet.

Hinweis: Projekt "5x ohr" von Sam Auinger (Mitarbeit: Gerd Thaller, Reinhard Krapfl, Gerald Lohninger, Dany Scheffler)
Interventionen am Stifter-Wanderweg "Waldsteig" bei Aigen, die die Wanderer zum aktiven "Sehen" und "Hören" der Natur motivieren. (Projektträger: Ferienregion Böhmerwald)
http://www.aigen-schlaegl.at/5xohr/

Freitag 14. 10. und Sonntag 16. 10., 20.00 Uhr

Andreas Jungwirth und Bernd Preinfalk

„fama crescit eundo“

Uraufführung

Ein Stück für zwei Sprecher und vier Streicher.
„Das Gerücht wächst, indem es sich verbreitet“: Thema des Stücks sind die zahlreichen Spekulationen um Stifters angeblichen Selbstmord. Es werden ausschließlich vorgefundene Textquellen benutzt, aus dem Zusammenhang gerissen, neu montiert. Ähnlich funktioniert die Bühnenmusik: Der Ton ist vorgegeben, er darf nicht verlassen, sondern nur durch die Betonung unterschiedlich rhythmisiert werden. Die Künstler betreten eine Gerüchteküche, kosten die Brühe und stellen ihr eigenes Süppchen zu. Nichts wird aufgeklärt.

es spielen
Mitglieder des Brucknerorchesters Linz
Künstlerische Leitung: Thomas Kerbl

Vera Kral: 1. Violine
Ilse Kepplinger: 2. Violine
Thomas Koslowsky: Viola
Elisabeth Bauer: Violoncello

Sprecherin: Ingrid Höller
Sprecher: Lutz Zeidler

Andreas Jungwirth
geboren 1967 in Linz
nach einem abgebrochenen Germanistikstudium an der Uni - Wien und einem Schauspielstudium am Konservatorium der Stadt Wien, Engagements als Schauspieler und mehrjähriger Zusammenarbeit mit dem Komponisten Wolfgang Heisig lebt er seit 1996 in Berlin und schreibt v.a. Texte fürs Theater und Hörspiel. Adalbert-Stifter-Stipendium 2005.

Bernd Preinfalk
1966 geb. in Freistadt
Werke (Auswahl): Kammermusik: u.a. „pas de cinq“ für Pianoforte und Streichquartett, Streichtrio Nr1, „Dialog“ für Violine und Pianoforte
„in effigie“ für großes Orchester
„ Einwände“ für Streichorchester
Musik zum Film „Nicht nur für Chinesen“ von PRINZGAU/podgorschek

Samstag, 15. 10., 20.00 Uhr

Georg Nussbaumer

Quänger’scher Quartett Querschnitt

Ausgehend von Stifters Beschreibung des „Quängerschen Quartetts“ inszeniert Georg Nussbaumer in vier Räumen „Salonszenen“ mit Stimmgabeln, Streichquartett, Stimme und Video.
Stifters Beschreibung der Musik als Phänomen zwischen Physik und Emotion bildet das dramaturgische Grundgerüst der einzelnen Ereignisse, die wie kommunizierende Gefäße miteinander verbunden sind.

Es spielt:
symphoid (ein ensemble für musik und ihre derivate)
Jutta Hemedinger, Violine
Eva Herndler, Violine
Judith Reiter, Viola
Stefanie Prenn, Violoncello
Ellen Fricke, Stimme

Kamera und Videoediting: Medienstudio O.K

Georg Nussbaumer
Geb. 1964 in Linz
Arbeitet meist mit zu Installationen erweiterten Musikinstrumenten. Die Einbeziehung der Aufführungsräume mitsamt deren funktionalen Aspekten ist häufig Bestandteil der Arbeiten. Zur adäquaten Umsetzung seiner Konzepte gründete er 1998 "symphoid (ein ensemble fur musik und ihre derivate)".
Nussbaumer erhielt verschiedene Preise und Stipendien u.a. das ‘Djerassi Resident Artist Program’ (CA). Zuletzt realisierte Projekte waren orpheusarchipel, eine Installationsoper in einem Atombunker (Oper Bielefeld 2002); parsifalsurvivaltrail, eine Operninstallation (O.K, 2002); The Big Kuss of Trustan with Usolde (symphoid, Konzerthaus Wien 2002). 1994 Talentförderungsprämie des Landes OÖ


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Fotos (außer anders angegeben): Otto Saxinger