41 Tage - Kriegsende 1945. Verdichtung der Gewalt


Pressemitteilung vom:
3. November 2016

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41 Tage
Kriegsende 1945 – Verdichtung der Gewalt

Eine Ausstellung im OÖ Kulturquartier
Linz, 4. bis 25. November 2016

Am 3. November 2016 eröffnen Landeshauptmann Josef Pühringer, Bürgermeister Klaus Luger und Vizebürgermeister Bernhard Baier in Anwesenheit zahlreicher weiterer Ehrengäste die Ausstellung 41 Tage. Kriegsende 1945 – Verdichtung der Gewalt im OÖ Kulturquartier in Linz.

Thema der Ausstellung sind die Verbrechen des NS-Regimes in den letzten 41 Tagen des Zweiten Weltkriegs in Österreich sowie im heutigen Oberösterreich: Vom 29. März, als die Rote Armee im Burgenland erstmals die Grenzen des heutigen Österreich überschritt, bis zum Kriegsende am 8. Mai 1945 lässt sich eine besondere Verdichtung der Gewalt feststellen. Tausende Menschen wurden noch in den letzten Kriegswochen und -tagen Opfer des NS-Terrors.

Die Ausstellung ist das Ergebnis einer Forschungskooperation des Instituts für Kulturwissenschaften und Theatergeschichte an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) mit der Universität Graz und dem Verteidigungsministerium (BMLVS). erinnern.at (BM:BF) bietet Schulklassen ein umfangreiches Vermittlungsprogramm an. Im begleitenden öffentlichen Diskussionsprogramm geben renommierte oberösterreichische Historiker/innen einem interessierten Publikum Einblick in den aktuellen Forschungsstand zur Geschichte und Nachgeschichte des Kriegsendes 1945.

Wissenschaftlich-kuratorisches Team: Dieter A. Binder, Georg Hoffmann, Monika Sommer, Heidemarie Uhl. Fotografie: Stefan Oláh, Gestaltung: Thomas Hamann. Grafik: Stefan Fuhrer.

41 Tage ist von 4. bis 25. November 2016 bei freiem Zutritt im OÖ Kulturquartier zu besichtigen.

Die Ausstellung wurde vom 16. April bis 3. Juli 2015 am Heldenplatz in Wien und von 12. Oktober bis 6. November 2015 im Universalmuseum Joanneum in Graz gezeigt.

Weiterführende Informationen und Veranstaltungskalender
www.oeaw.ac.at/41Tage


41 Tage
Kriegsende 1945 – Verdichtung der Gewalt

Am 29. März 1945 betritt die Rote Armee im Raum Klostermarienberg erstmals den Boden des heutigen Österreich. Damit beginnt eine Phase, in der das nationalsozialistische Regime, den eigenen Untergang vor Augen, noch einmal die Gewalt eskalieren lässt. In den 41 Tagen vom 29. März bis zum Kriegsende am 8. Mai 1945 fallen noch tausende Menschen in Österreich dem NS-Terror zum Opfer.

Die unter dem Ehrenschutz von Bundespräsident a.D. Dr. Heinz Fischer stehende Ausstellung 41 Tage. Kriegsende 1945 – Verdichtung der Gewalt gibt erstmals einen Gesamtüberblick über die so genannten „Kriegsendphaseverbrechen“ in Österreich. Je weiter die Alliierten vorrückten, umso fanatischer die Durchhalteparolen des Regimes, umso grausamer die Gewalt. In Todesmärschen wurden jüdisch-ungarische Zwangsarbeiter/innen von den Schanzarbeiten des „Südostwalls“ nach Mauthausen getrieben. Nicht mehr Marschfähige werden kurzerhand erschossen, in eiskalte Flüsse oder von Abhängen hinab in den Tod gestoßen. KZ-Insassen, politische Häftlinge und Kriegsgefangene werden gezielt ermordet. Mit Todeslisten fahnden NS-Schergen nach Oppositionellen und untergetauchten Jüdinnen und Juden. Fliegende Standgerichte verurteilen hunderte Deserteure zum Tode.

Systematische Gewaltexzesse
„Mit 41 Tage erzählen wir die ‚verschwiegenen‘ Geschichten über das Kriegsende 1945. Im kollektiven Gedächtnis Österreichs wird das Kriegsende vor allem als Leidens- und Opfererzählung erinnert – Bombenangriffe und Übergriffe der Roten Armee prägen das Geschichtsbild. Was ausgeblendet wird: Tausende Menschen sind noch in den letzten Wochen und Tagen des Krieges dem NS-Terror zum Opfer gefallen, der sich in den letzten 41 Tagen des Krieges systematisch verdichtet hat. Bis zum letzten Tag werden Menschen ermordet oder in den Tod getrieben“, sagt Heidemarie Uhl, Historikerin und Co-Kuratorin der Ausstellung 41 Tage.

An über hundert Orten Österreichs fanden diese Verbrechen statt. Zwölf davon haben die Ausstellungsmacher/innen ausgewählt. Der Künstler Stefan Oláh hat die Tatorte aus heutiger Perspektive fotografiert. Die Ausstellung im OÖ Kulturquartier versieht die Bilder mit Informationen und Quellen zu den Ereignissen im Frühjahr 1945 und ruft diese ins öffentliche Bewusstsein.

Darunter fallen auch bislang tabuisierte und in der Erinnerung weitgehend verdrängte Themen. Zum Beispiel die „Fliegerlynchjustiz“, die Misshandlung und Ermordung abgeschossener alliierter Flug­zeugbesatzungen. „Sie sind Teil der Gewalteskalation, die den schrittweisen Zusammenbruch der nationalsozialistischen Herrschaft begleiten. Durch verstärkten ‚Terror nach innen‘ wollten lokale NS-Apparate Loyalität bis zur letzten Minute erzwingen“, erläutert der Historiker und Co-Kurator Georg Hoffmann. „Oberösterreich war – nicht zuletzt durch die von Gauleiter Eigruber ausgebebenen Parolen ein Zentrum der Gewaltexzesse“, so die Linzer Historikerin und Co-Kuratorin Monika Sommer.

„Kriegsende 1945 in Linz und Oberösterreich“
Dem Kriegsende in Oberösterreich schenkt 41 Tage besondere Aufmerksamkeit. Der mit „Kriegsende 1945 in Linz und Oberösterreich“ betitelte Ausstellungsteil 1. Stock des Ursulinenhofes thematisiert die Bombenangriffe der Alliierten, die Kampfhandlungen zwischen deutschen Truppen und den alliierten Armeen sowie die prekäre Lage der Zivilbevölkerung. Versuche des militärischen Widerstands, Orte kampflos zu übergeben oder etwa Straßensperren zu beseitigen, um unnötiges Leid und Zerstörungen zu verhindern, scheitern weitgehend. Die Vielfalt und Ambiva­lenz individueller Erfahrungen und Wahrnehmungen in der Phase des Kriegsendes verdeutlichen 41 Momentaufnahmen historischer Persönlichkeiten und Zeitzeug/inn/en aus ganz Österreich.

Begleitendes Vortrags- und Diskussionsprogramm
Wer sich, inspiriert von der Ausstellung, eingehender mit dem aktuellen Forschungsstand zum Kriegsende 1945 in Österreich befassen will, dem/der bietet das Rahmenprogramm zu 41 Tage ausreichend Gelegenheit zur Auseinandersetzung. Renommierte österreichische Historiker/innen beleuchten in Vorträgen unterschiedliche Aspekte des Themas, zeichnen einzelne Ereignisse im Detail nach und stellen sich der Diskussion.

14. Nov. (18 Uhr):

Walter Schuster

Franz Langoth und Linz

Marcus Gräser

Die US-Army und Österreich 1945

17. Nov. (18 Uhr):

Georg Hoffmann

Fliegerlynchjustiz – Forschungsergebnisse und offene Fragen

Buchpräsentation

Nicole-Melanie Goll

Bombenkrieg in Erinnerung und Gedächtnis

21. Nov. (18 Uhr):

Martina Gugglberger

Weiblicher Widerstand und Verfolgung in Oberösterreich

Birgit Kirchmayr

Tagebuch als Quelle – Hanns Kreczis Aufzeichnungen zu Linz 1945

Ort der Expert/inn/en-Gespräche ist: OÖ Kulturquartier / Ursulinenhof / Seminarraum 1. Stock. Die Vorträge beginnen jeweils um 18:00 Uhr!

An folgenden Tagen bietet das Team von 41 Tage öffentliche Kurator/inn/en-Führungen an:

  • Freitag, 4. November, 10 Uhr (Monika Sommer und Heidemarie Uhl)
  • Donnerstag, 17. November, 16 Uhr (Georg Hoffmann)
  • Freitag, 18. November, 14 Uhr (Georg Hoffmann)

Treffpunkt: OÖ Kulturquartier / Ursulinenhof / Innenhof.

Schulklassen bietet www.erinnern.at ein umfassendes Vermittlungsprogramm zur Ausstellung.

Anmeldung und Information: Enable JavaScript to view protected content.

Die Ausstellung 41 Tage. Kriegsende 1945 – Verdichtung der Gewalt ist im OÖ Kulturquartier bei freiem Zutritt zu besuchen.

41 Tage wird unterstützt von: Bundeskanzleramt, Bundesministerium für Bildung, Nationalfonds der Republik Österreich, Kulturabteilung der Stadt Wien (Wissenschafts- und Forschungsförderung), KÖR – Kunst im öffentlichen Raum Wien, Universität für angewandte Kunst Wien, Wiener Vorlesungen, www.erinnern.at, Zukunftsfonds der Republik Österreich.


KONTAKTE
Kurator/inn/en-Team
Doz. Dr. Heidemarie Uhl, Dr. Monika Sommer
Dr. Georg Hoffmann
Österreichische Akademie der Wissenschaften
T +43 (0)1 51581-3317
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Pressekontakt & Rückfragen
Maria Falkinger, OÖ Kulturquartier
T +43 (0)732 784178-52540
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